Irmgard Ismeier-Rust und Hans-Peter Rust in fränkischer Tracht zusammen mit ihrem französischen Gast.
© Irmgard Ismeier-Rust
Irmgard Ismeier-Rust und Hans-Peter Rust in fränkischer Tracht zusammen mit ihrem französischen Gast.

Persönliche Erinnerungen

50 Jahre Partnerschaft Forchheim-Biscarrosse: Wie Musik die Nationen verbinden kann

Irmgard Ismeier-Rust, Mitglied des deutsch-französischen Partnerschaftskomitees des Landkreises Forchheim und des Trachtenvereins Effeltrich, erinnert sich anlässlich der 50-jährigen Partnerschaft mit Biscarrosse an ihre Erlebnisse:

1985 war ich zum ersten Mal in Biscarrosse. Untergebracht war ich zusammen mit Richard und Horst, beide leidenschaftliche Musiker, bei Rosa und Louis. Louis war ein leidenschaftlicher Jäger und nie zu sehen, Rosa eine leidenschaftliche Langschläferin. Die zwei Musikanten und ich eher Frühaufsteher: Mein Frühstück war auf der Terrasse und bestand aus einem herrlichen Duett mit Trompete und Klarinette. Rosa erschien im Morgenmantel gegen 10 Uhr, die Hände eine riesige Teetasse umfassend.

Die fränkischen Wasser- und Biertrinkerinnen waren die Enttäuschung des Abends

Einmal war ich mit meiner Schwester zusammen bei Albert und Thérèse im Nachbarort Parentis eingeladen. Der Tisch bog sich unter den vielen Köstlichkeiten. Albert kredenzte uns seine köstlichsten Weine. Meine Schwester und ich, Wasser- und Biertrinkerinnen, waren wohl die Enttäuschung des Abends, weil wir nur "nippten". Albert ließ sich nicht entmutigen. Er packte sechs Flaschen ein.

Daheim lud mein Mann Freunde zu einer Weinprobe ein. Es folgte ein nicht enden wollendes Loben. So bekam Alberts Weingeschmack doch noch die ihm gebührende Ehre.

Mit Presssack und Kirschbrand am Hetzleser Berg

Albert und Thérèse waren später auch meine Gäste in Effeltrich. Am 1. Mai nahm ich beide mit zum Hetzleser Berg. Dort wurde eine Messe abgehalten. Die Gesangvereine aus Effeltrich und Hetzles gestalteten diesen Gottesdienst, der mit einer zünftigen Brotzeit abschloss. Albert hatte das Glück, neben dem besten Schnapsbrenner und Wurstkenner aus Effeltrich zu sitzen. Quitten-, Zwetschgen-, Kirschbrände, Knoblauchwurst, Presssack, alles wurde probiert. Alberts Äuglein wurden immer lustiger und ich, was mache ich mit meinem falschen Ehrgeiz? Ich möchte den beiden etwas "zeigen"! Wir haben die lustige Gesellschaft viel zu früh verlassen und sind nach Rothenburg gefahren – was ich noch heute bedauere.

Vier Ethnien saßen an einem Tisch: eine Dänin, zwei Iraner, zwei Franzosen und zwei Franken

Auch bei Sylvestre und seiner Frau Catherine hatten wir einen schönen Aufenthalt. Catherine ist eine begnadete Köchin. Zum Abendessen lud sie meinen Mann und mich ein, sowie ihre Nachbarin Esther mit ihrem aus dem Iran stammenden Ehemann zusammen mit Kassem, ihrem Gast aus Effeltrich, der ebenfalls seine Wurzeln im Iran hat.

Das Abendessen war vom Feinsten, der Wein ebenso. Vier Ethnien saßen an einem Tisch, die Dänin Esther, zwei Iraner, zwei Franzosen und zwei Franken. Einer kam auf die Idee, jede Gruppe müsse ein Lied singen. Die Franken machten, von Esther unterstützt, den Anfang. Esther war in Deutschland zur Schule gegangen und so sangen sie zu dritt "Die Gedanken sind frei". Die beiden Iraner hatten die klangvollsten Stimmen und auch die Franzosen ließen sich nicht lumpen. Das war gelebte Völkerverständigung.

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