1974 waren Gerda Martin (links) und Barbara Deutsch (geborene Dittrich, rechts) zu Gast bei Familie Dejeau in Biscarrosse. Die Freundschaften, die damals geschlossen wurden, reichen teilweise bis heute.
© Repro Ernst Deutsch
1974 waren Gerda Martin (links) und Barbara Deutsch (geborene Dittrich, rechts) zu Gast bei Familie Dejeau in Biscarrosse. Die Freundschaften, die damals geschlossen wurden, reichen teilweise bis heute.

In fränkischer Tracht

50 Jahre Partnerschaft: Erinnerungen an die erste Fahrt von Forchheim nach Biscarrosse

Während der Osterferien des Jahres 1974 fand die erste offizielle Fahrt nach Biscarrosse statt. Eine "Schnupperfahrt" mit dem Hintergrund, sich über Gegend und Leute zu informieren. Kann man sich vorstellen, mit dem entfernten Biscarrosse eine Partnerschaft einzugehen und in regelmäßigen Abständen die weite Fahrt auf sich zu nehmen? Barbara Deutsch, damals 18 Jahre, erinnert sich.

Im Bus saßen hauptsächlich Vertreter der Vorstandschaft der AGFJ (Arbeitsgemeinschaft der Jugend Forchheim) und viele Jugendliche als Vertreter der in Forchheim ansässigen Jugendgruppen. "Ich war damals knapp 18 Jahre alt und fungierte sowohl als AGFJ-Vorstand, als auch als Vertreterin der GCL-J (Gemeinschaft christlichen Lebens-Jugend) und war bereit für dieses Abenteuer. An die Fahrt selbst habe ich kaum Erinnerung, nur - sie war entsetzlich lang. Diese schier endlose Fahrt über französische Landstraßen ab Straßburg schien nie enden zu wollen", schreibt Barbara Deutsch in einer Pressemitteilung des Partnerschaftskomitees, dem sie bis heute angehört.

Der Gastvater in Biscarrosse fragte so lange nach, bis sich Deutsche und Franzosen verstanden

Endlich in Biscarrosse angekommen, ging das Abenteuer erst richtig los. "Wir wussten, dass wir in Familien untergebracht werden sollten, aber was kam da auf uns zu? Werden wir mit unseren mageren Französischkenntnissen klarkommen, werden wir uns überhaupt zutrauen, die fremde Sprache zu sprechen? Die Verteilung auf die Familien war spannend, ich hoffte auf eine Familie mit jemandem in meinem Alter."

Aber es kam anders. Barbara Deutsch, die damals noch ihren Mädchennamen Dittrich trug, wurde der Familie Déjeau zugeteilt und war erstmal alles andere als begeistert. "Die Eltern Georges und Antoinette waren etwas älter als meine eigenen Eltern und die beiden Jungs Philippe und Francois 11 und 9 Jahre alt. Was sollte ich mit denen anfangen, das passte doch überhaupt nicht."

Und es passte doch: Georges und Antoinette zeigten sich sehr interessiert und hatten viele Fragen. "Und die Verständigung klappte super, hatte Georges doch die Gabe, solange nachzufragen oder seine Sätze anders zu formulieren, bis wir uns verstanden hatten. Es war oft sehr mühsam, aber immer erfolgreich."

Das Programm vor Ort war sehr abwechslungsreich. "Wir lernten die französiche Küche und die für uns ungewohnte Gegend kennen. Vor allem aber auf den Atlantik waren alle sehr gespannt; für die meisten war es das erste Mal, diesen Ozean zu sehen und die gewaltige Dünung und das heftige Brausen unter strahlend blauem Himmel zu erleben."

Um den französischen Partnern die Region vorzustellen, gab es auf der "Foire" (eine Verbrauermesse, vergleichbar mit der OFRA) in Biscarrosse einen Stand, auf dem Informationen über den Landkreis Forchheim und fränkische Spezialitäten verteilt wurden. "Gerda Heisterkamp von der Kreisjugendpflege überredete Gerda Martin und mich, unsere Gegend in fränkischer (Effeltrichter) Tracht zu repräsentieren", erinnert sich Barbara Deutsch.

Die Verbindung mit ihren Gastgebern Dejeau endete nicht mit dieser ersten Fahrt. Schon im August 1974 kamen sie nach Forchheim, neugierig auf ihre Familie und die Gegend. Anschließend folgten unzählige Begegnungen. "Auch heute noch stehen wir in guter freundschaftlicher Verbindung, inzwischen mit den Familien der ,damaligen Kinder‘ Philippe und Francois, der Altersunterschied hat sich inzwischen leicht nivelliert."

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