
Zwischenstopp in Paris
Biscarrosse-Forchheim: Persönliche Eindrücke vom ersten Schüleraustausch im Jahr 1979
Seit 1975 besteht die Partnerschaft zwischen dem Landkreis Forchheim und Biscarrosse. Reinhard Heydenreich, Mitglied des Partnerschaftskomitees und langjähriger Lehrer am Herder-Gymnasium, erinnert sich an seinen ersten Schüleraustausch:
Februar 1979, auf dem Flur des Herder-Gymnasiums Forchheim: Der damalige Schulleiter Walter Fuchs kam zielstrebig auf mich zu und erklärte mir, dass der Landkreis Forchheim 1975 eine Partnerschaft mit Biscarrosse in Südwestfrankreich ins Leben gerufen habe und dass diese wichtige partnerschaftliche Verbindung zwischen den beiden Nationen seit 1977 durch den Schüleraustausch unterstützt werde: "Herr Heydenreich, Sie als junger Französischlehrer begleiten doch kurz vor den Pfingstferien diesen Schüleraustausch!?"

Reinhard Heydenreich begleitete den Austausch mit Biscarrosse seit 1979
Ob dies als eine Frage oder als eine freundliche dienstliche Anweisung gedacht war, wurde mir nicht ganz klar. Den Ortsnamen hatte ich noch nie gehört, Mimizan und Arcachon schon. Biscarrosse liegt genau dazwischen.
"Und wie kommen wir dorthin?" – "Mit dem Omnibus!" – "1450 Kilometer? Mit Übernachtung?" – "Ja, das wird im Landratsamt für Sie erledigt."
Nach kurzer Absprache mit der Familie nahm ich diese Herausforderung an und stieg am 30. Mai um 6 Uhr früh mit 40 Schülerinnen und Schülern aus den 10. Klassen in den Bus.
Die Schülergruppe aus Forchheim legte einen Zwischenstopp in Paris ein
Das Abenteuer nahm seinen Lauf: Ausweiskontrolle an der Grenze, langwierige Erledigung der Einreiseformalitäten für den Busfahrer, Ankunft nach elfstündiger Fahrt in Paris. Nein, in Evry, damals ein wenig romantischer Vorort. Übernachtung in einer Jugendherberge, ein schnelles Abendessen und dann zurück nach Paris, noch mit französischen Francs im Geldbeutel.
Heute angesichts der geregelten Lenkzeiten für den Busfahrer – vernünftigerweise – undenkbar. Damals ein Höhepunkt für alle Beteiligten. Für viele war es die erste Begegnung mit Frankreich, der erste Blick auf den Eiffelturm, auf die Champs-Elysées, auf Notre-Dame und von Sacré-Coeur aus über die Dächer von Paris. Nach einer vierstündigen Stadtbesichtigung zu Fuß und mit der Métro und nach der Rückkehr in die Schlafstadt Evry waren alle müde, aber glücklich.
300 Kilometer hinter Paris gab es nur noch Landstraße, keine Autobahn mehr
Nach einem frühen "petit déjeuner" bestiegen wir wieder unseren Bus und setzten die Fahrt über weitere 650 Kilometer fort. Die vielfältigen Schönheiten Frankreichs blieben angesichts meiner Unerfahrenheit bei der Reiseplanung im Verborgenen. In den folgenden Jahren ließen wir die Kathedralen von Metz und Reims und am zweiten Tag die Kathedralen von Orléans und Tours oder eines der zahlreichen Loire-Schlösser nicht mehr am Wegesrand liegen.
Damals, vor mehr als 40 Jahren, endete die Autobahn 300 Kilometer hinter Paris. Von Poitiers aus führte uns die Landstraße (route nationale) über Angoulême und Bordeaux und dann durch die schönen Pinienwälder nach Biscarrosse.

Ohne Handy musste die Verspätung via Telefonzelle an alle Gastfamilien weitergegeben werden
Diese Etappe habe ich tatsächlich unterschätzt. Zahlreiche LKWs in Richtung Spanien, Staus rund um die Großstädte, kein Navigationssystem für den Busfahrer, kein Handy für mich als Begleiter. Schon wieder eine Stunde Verspätung. Wann kommt die nächste Raststätte? Haben wir genügend Kleingeld für den Anruf aus einer Telefonzelle heraus? Die französischen Deutschlehrer, Jean-Claude Harband und Dominique Lafargue, leiteten unsere Nachrichten an die ungeduldig wartenden französischen Schülerinnen und Schüler und deren Eltern weiter.
Der Feierabendverkehr in Bordeaux bremste uns ein weiteres Mal aus. Noch ein Anruf mit Hinweis auf Verspätung. Die Aufregung nahm auf beiden Seiten zu. Kurz vor Biscarrosse die letzte nervöse Unterrichtsstunde im Bus. "Was sage ich denn bei der Ankunft? Muss ich alle mit einer Bise, so wie es in Frankreich üblich ist, umarmen? Gibt man wirklich einen Kuss auf die Backe oder tut man nur so?"
Die Ankunft bei einbrechender Dunkelheit im schmucken Biscarrosse mit den vielen niedrigen Häusern im Fachwerkstil (maison landaise) und die Herzlichkeit der Gastgeber entschädigten uns für die geringfügigen Strapazen und machten uns gespannt auf fast zwei Wochen in Familie, Schule und Natur am Rande des weiten Atlantiks.
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