Schauspieler und Schaustellerkind: André Eisermann geriet bei "Heidi's Treff" auf dem Nürnberger Frühlingsfest ins Schwärmen.
© Berny Meyer, Süddeutscher Schausteller Verba
Schauspieler und Schaustellerkind: André Eisermann geriet bei "Heidi's Treff" auf dem Nürnberger Frühlingsfest ins Schwärmen.

Promi-Besuch auf dem Nürnberger Frühlingsfest

André Eisermann: "Volksfeste haben dazu beigetragen, dass ich Schauspieler wurde"

Ein prominenter Gast stattete am Samstag dem Nürnberger Frühlingsfest einen Besuch ab: Schauspieler André Eisermann, der in den 90er Jahren als "Kaspar Hauser" und in "Schlafes Bruder" beeindruckte. Als Schaustellerkind hat der 54-Jährige ein ganz besonderes Verhältnis zu Volksfesten. "Es hat dazu beigetragen, dass ich Schauspieler wurde", ist Eisermann heute sicher. Denn während seine Eltern, die eine Büchsenwurfbude hatten, noch spätabends unterwegs waren, rannte er als Kind immer mal wieder aus dem Wohnwagen und landete oft im Bierzelt.

Im Schlafanzug im Bierzelt

Dort begeisterte er im Schlafanzug auf der Bühne die Massen. "Ich habe mir schon damals mein Publikum gesucht, das mir applaudiert", meint er lachend. Über seine Kindheit unter Schaustellern hat er ein Buch geschrieben "1. Reihe Mitte. Ein Schaustellerleben."

"Charaktere wie er machen die Seele von Volksfesten aus", sagt Eisermann über Lorenz Kalb, den Vorsitzenden des Süddeutschen Schaustellerverbandes. 

"Charaktere wie er machen die Seele von Volksfesten aus", sagt Eisermann über Lorenz Kalb, den Vorsitzenden des Süddeutschen Schaustellerverbandes.  © Berny Meyer, Süddeutscher Schausteller Verba

Seine Begeisterung für die Schaustellerei sprüht förmlich aus ihm heraus. Das Nürnberger Frühlingsfest ist für ihn der erste Besuch eines Volksfestes nach zwei Jahren Pandemie. "Den Duft von Mandeln und Zuckerwatte zu riechen, die lachenden Kinder im Kettenflieger zu hören, das tut so gut", schwärmt er. Gerade hier merke er, wie das Leben bei den Menschen jetzt zurückkommt. "Es ist ein Ort, an dem man einfach nur glücklich ist. Wenn das nicht systemrelevant ist, was dann?", sagt Eisermann oder besser, er deklamiert es. Mit ausladender Gestik und einer Mimik, bei der man sich beinahe im Theater fühlt.

Expressive Gestik: André Eisermann ist spürbar ein Theatermensch. Schon als Kind suchte er die Bühne im Bierzelt.

Expressive Gestik: André Eisermann ist spürbar ein Theatermensch. Schon als Kind suchte er die Bühne im Bierzelt. © Berny Meyer, Süddeutscher Schausteller Verba

Ähnlich inbrünstig spricht sonst nur Lorenz Kalb über das Volksfest. Der Vorsitzende des Süddeutschen Schaustellerverbands ist auch der Grund für Eisermanns Besuch. Schon seit Generationen kennen sich die Familien. "Volksfeste werden geprägt von solchen Charakteren wie ihm", ist Eisermann überzeugt. "Wie der sich hineinkniet in seinen Beruf und für die Kollegen", das übertreffe alle Erwartungen. Dementsprechend startete der Schauspieler seinen Besuch mit Mutter Karin und seinem Lebensgefährten Manuel Bartt nicht abgeschottet in einem Vip-Bereich, sondern, ein Weißbier vor sich, mitten drin bei "Heidi`s Treff", dem Stehlokal von Kalbs Ehefrau.

Die Verbundenheit mit dem Nürnberger Volksfest, man kann sie spüren bei Eisermann, der viele Menschen herzlich begrüßte, die er aus seiner Kindheit kennt. Menschen wie Rudi Krug von Früchte Krug, der einst der beste Freund seines verstorbenen Vaters war. Oder Peter Lössel, der Eisermann schon als elfjährigen Steppke hier herumrennen sah. In seinem Festzelt ließ sich der Schauspieler dann Gigerla und Bratwürste schmecken. Für Eisermann ist es alles auch eine Reise in seine Kindheit. "Sogar die Lampen sind noch wie damals", meinte er bewegt. Dass Menschen so über Generationen hinweg miteinander verwoben sind, das gebe es nur in diesem Beruf.

Lange Verbundenheit: Rudi Krug war einst der beste Freund von Eisermanns Vater und kannte den Schauspieler schon als kleines Kind.

Lange Verbundenheit: Rudi Krug war einst der beste Freund von Eisermanns Vater und kannte den Schauspieler schon als kleines Kind. © Berny Meyer, Süddeutscher Schausteller Verba

Schon Eisermanns Urgroßvater war "Der stärkste Mann der Welt", der es auch mit Bären auf sich nahm, seine Oma ein "Elastik-Wunder", wie er sagt. Wie alle Schaustellerkinder musste auch Eisermann mithelfen und einiges erdulden. 30 Schulwechsel im Jahr, abwesende Eltern und Menschenmassen. "Das habe ich gehasst als Kind", erzählte er. Die Schaustellerei sei natürlich auch ein hartes Leben. Ein Meister im Büchsenwerfen ist er übrigens nicht und von Fahrgeschäften hält er sich lieber fern: "Da muss ich kotzen!" Ganz im Gegensatz zu seinem Lebensgefährten, der als Breakdance-Fan auch mit 49 Jahren auf dem Volksfest zehn Runden absolvierte. "Dann waren meine Chips alle."

In einem Campingwagen könnte Eisermann heute nicht mehr Leben. Stattdessen lebt er mit seinem Partner – im Sommer wird geheiratet - und drei Katern beschaulich in Worms. Die wilden Zeiten, in den er zwei Nächte lang am Stück im Berliner Berghain gefeiert hat, seien vorbei. "Ich bin angekommen, auch beruflich", sagt Eisermann und wirkt zufrieden. Nach seinen großen Filmerfolgen, für seine Rolle des Elias in "Schlafes Bruder" wurde er mit dem Bayerischen und dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet, war es ruhig um ihn geworden.

"Rollen abzulehnen war ein Fehler"

"Ich habe damals gedacht, es geht immer so weiter und habe Fernsehrollen abgelehnt", erzählt er. Ein Fehler, sagt er heute. "Es war dumm und naiv". Trotzdem habe er alles erreicht, was man als Schauspieler erreichen könne. Mittlerweile dreht er fürs Fernsehen. Demnächst ist er in der ARD-Produktion "Bonn" zu sehen, in der er einen untergetauchten Nazi spielt. Mit Texten von Goethe ist er außerdem auf Lesereise unterwegs. "Auf der Bühne zu stehen, und Jugendliche damit zu erreichen", das sei eine tolle Sache.

Blumen für Kaspar Hauser

Am nächsten Tag stand für ihn noch etwas auf der Liste, was er bei jedem Besuch in Franken macht: In Ansbach Blumen auf das Grab von Kaspar Hauser legen. "Letztes Mal sind ein paar Hauser-Fans dort etwas erschrocken, als ich aufgetaucht bin", erzählt er und lacht. Auch wenn er es als Kind menschenscheu war, heute ist der Schauspieler das eindeutig nicht mehr. Sein Resümee: "Geld hat mich nie reich gemacht. Begegnungen mit Menschen machen mich reich." An diesem Abend auf dem Nürnberger Volksfest ist Eisermann, das kann man spüren, wieder ein bisschen reicher geworden.

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