Sonnenuntergang an der Moschee Sidi Jamour - ein beliebter Aussichtspunkt für Einheimische wie Touristen.
© Katrin Wiersch
Sonnenuntergang an der Moschee Sidi Jamour - ein beliebter Aussichtspunkt für Einheimische wie Touristen.

Außergewöhnliche Ausflugsziele

Die etwas andere Insel im Mittelmeer: Acht Orte auf Djerba, die sie gesehen haben sollten

Salam - Shalom - Paix - Peace - Frieden: Djerbi sprechen viele Sprachen, drei Religionen werden auf der Insel praktiziert. Der Islam ist natürlich die Religion der überwiegenden Mehrheit der Djerbi, aber es gibt auch eine große jüdische Gemeinde mit rund 1000 Menschen und einige christliche Gemeinden.

1. La Ghriba-Synagoge und Djerbahood in Erriadh

Ein beeindruckendes Monument des jüdischen Lebens findet sich in Erriadh, rund 15 Autominuten südlich der djerbischen Hauptstadt Houmt Souk. Die Synagoge ist das älteste jüdische Gebetshaus in ganz Nordafrika und wurde der Legende nach im 6. Jahrhundert erbaut. Ghriba bedeutet so viel wie "die Wunderbare" oder auch "die Fremde" - in Bezug auf die jüdische Tradition, weit entfernt von der Heimat.

Die La Ghriba-Synagoge in Erriadh ist die älteste Synagoge in Nordafrika.

Die La Ghriba-Synagoge in Erriadh ist die älteste Synagoge in Nordafrika. © FVA Tunesien

Die Synagoge steht für Besucher, außer an jüdischen Feiertagen, offen und beherbergt die älteste Thora der Welt.

Erriadh ist aber nicht nur wegen der Synagoge einen Ausflug wert. Zahlreiche StreetArt-Kunstwerke zieren die Hauswände der verwinkelten, kleinen Stadt. 2014 lud ein Veranstalterteam rund 250 Künstler ein, die Hauswände der Bewohner mit ihren Kunstwerken zu verschönern. Die Bewohner waren zunächst skeptisch. Heute ist der Ort ein beliebter Touristenort - und auch die Bewohner sind stolz auf ihre einzigartigen Kunstwerke an ihrer Wand.

Zahlreiche Häuserwände in Erriadh wurde beim Kunstprojekt Djerbahood von berühmten Street Art-Künstlern verschönert.

Zahlreiche Häuserwände in Erriadh wurde beim Kunstprojekt Djerbahood von berühmten Street Art-Künstlern verschönert. © Katrin Wiersch

2. Houmt Souk - die Hauptstadt von Djerba

Houmt Souk bedeutet so viel wie "Marktviertel" und war viele Jahrhunderte der Warenumschlagsplatz zwischen Wüste und Mittelmeer. Hier endeten die Karawanen aus der Sahara, Waren wurden von hier aus in den Mittelmeerraum verschifft.

Das Aushängeschild der 65.000 Einwohner-Stadt sind die engen Marktgassen. Sie sind teilweise überdacht und aufgeteilt nach den verschiedenen Handwerken. Weber, Schneider, Juweliere, Gerber, Sticker, Kupferstecher, Teppich-, Leder- und Parfümhändler verkaufen hier ihre Waren. Wer hier

3. Karawanserei "El Fondouk"

In den Lagerhäusern, den Fondouks oder Karawansereien, wurden früher die Waren aufbewahrt. Im Erdgeschoss lagerten die Waren, im Innenhof wurden Kamele, Dromedare und Esel untergebracht, die Händler und Reisenden hatten ihre Unterkunft im 1. Stock. Einige dieser Lagerhäuser sind heute zu Restaurants oder Hotels umgebaut.

Houmt Souk ist die große Handelsstadt von Djerba. Früher organisierten Karawansereien den Handel. Heute sind einige dieser Händlerstätten liebevoll ausgebaut worden, wie diese hier, das "El Fondouk".

Houmt Souk ist die große Handelsstadt von Djerba. Früher organisierten Karawansereien den Handel. Heute sind einige dieser Händlerstätten liebevoll ausgebaut worden, wie diese hier, das "El Fondouk". © Katrin Wiersch

Eines dieser Fondouks, in dem man eindrücklich sehen kann, wie das Leben damals funktionierte, ist das gleichnamige Restaurant "El Fondouk" in Houmt Souk.

4. Besuch bei Korbflechter Mohamed Khacha in Houmt Souk

Beeindruckend ist ein Besuch beim Korbflechter Mohamed Khacha im antiken Marktviertel von Houmt Souk. Seit über 60 Jahren flechtet er aus heimischen Gräsern Matten, Hüte, Fangreusen, Taschen und vieles mehr.

Gerne erzählt er über sein Handwerk und die Geschichte seiner Werkstatt. Seine Tochter übersetzt auf Englisch, wenn nötig. Er bietet auch Workshops an, um sein Handwerk zu lernen.

Der Korbflechter Si Mohamed im Souk Antique stellt seit 60 Jahren robuste Bodenmatten, Hütte und Taschen aus Strandgras und anderen heimischen Gräsern her.

Der Korbflechter Si Mohamed im Souk Antique stellt seit 60 Jahren robuste Bodenmatten, Hütte und Taschen aus Strandgras und anderen heimischen Gräsern her. © Katrin Wiersch

5. Führung durch Houmt Souk mit Wajdi Borgi

Eine Stadtführung oder Kochen: Ein Event mit Wajdi Borgi wird nicht langweilig.

Eine Stadtführung oder Kochen: Ein Event mit Wajdi Borgi wird nicht langweilig. © Katrin Wiersch

Wajdi Borgi ist ein djerbisches Original. Lebendig und lustig erzählt er bei einem Rundgang durch Houmt Souk die Geschichte und führt auch in Ecken der Stadt, die nicht jeder Tourist zu sehen bekommt.

Wer einen ganzen Tag mit Wajdi Borgi verbringen will, den lädt er auch noch zu einem djerbischen Kochkurs ein. Buchbar sind die Führungen in der Tourist Information im Zentrum von Houmt Souk oder über die App Djerba 360°.

6. Village Artisanal in Houmt Souk

Marwa Dridi ist Keramikerin und kreiiert eigene Produkte für den El Houch Concept Store in Houmt Souk. Auch Touristen und Einheimische können bei ihr mitarbeiten und Kurse buchen.

Marwa Dridi ist Keramikerin und kreiiert eigene Produkte für den El Houch Concept Store in Houmt Souk. Auch Touristen und Einheimische können bei ihr mitarbeiten und Kurse buchen. © Katrin Wiersch

Kreative Workshops kann man im Künstlerhaus "Village Artisanal" besuchen. Die Djerbin Marwa Dridi erklärt und zeigt, wie man traditionelle djerbische Figuren herstellt - das Kunstwerk wird dann nach Hause geschickt, wenn es fertig getrocknet ist. Wer gleich eines der Kunstwerke mit nach Hause nehmen möchte, kann es auch vor Ort im Atelier kaufen.

7. Töpfern in Guellala

Die djerbische Töpferkunst ist einzigartig. Zahlreiche Töpfereien bieten entlang der Straßen ihre Waren an. Die Stadt Guellala im Süden der Insel und rund 30 Minuten von Houmt Souk entfernt ist das Töpferzentrum der Insel. Hier hat auch der Töpfer Fethi Sakal seine Töpferwerkstatt, die er bereits in elfter Generation führt. In dem unter der Erde errichteten Gewölbe fertigt Fethi Sakal bis heute auf traditionelle Art Gefäße, Schalen und Gegenstände her, wie sie bereits in der Antike gefertigt wurden.

Bei ihm kann man auch einen zweistündigen Töpferkurs buchen, der sowohl für Erwachsene wie Kinder ein Highlight ist. Barfuß muss man zunächst die Tonerde bearbeiten, um daraus den Ton herzustellen, mit dem man später Figuren, Schalen oder ein kleines Tongefäß herstellt. Nach getaner Arbeit kochen alle gemeinsam einen Römertopf, der über dem Lagerfeuer köchelt. Umgerechnet acht Euro kostet der Töpferkurs für Erwachsene, 6,50 Euro für Kinder. Beim Essen entscheiden die Gäste selbst, wieviel es ihnen wert ist.

Einen schönen Blick aufs Mittelmeer hat man nur wenige Minuten von Guellala entfernt an der Wehrmoschee Sidi Yati. Hier kann man mit etwas Glück auch Flamingogruppen im flachen Meer stehen sehen.

Fethi Sakal führt die Töpferei in Guellela in 11. Generation. Die Tradition beruht auf einer 400 Jahre alten Geschichte.

Fethi Sakal führt die Töpferei in Guellela in 11. Generation. Die Tradition beruht auf einer 400 Jahre alten Geschichte. © Katrin Wiersch

8. Wo ein Sonnenuntergang auf Djerba besonders schön ist

Die Wehrmoschee Sidi Jamour im Westen der Insel ist ein jeden Abend ein echter Besuchermagnet. Zum Sonnenuntergang treffen sich dort Einheimische und Touristen, um das Farbspiel der Sonne zu verfolgen, wenn diese ins Mittelmeer versinkt. Im kleinen Fischerhafen direkt daneben dümpeln die Boote im ruhigen Wasser. Im Hintergrund ruft der Muezzin in der Moschee zum Abendgebet. Ein besonderer Moment für alle Besucher dieses Ortes.

Tipp: Am besten kommt man mit dem Taxi zu den Sehenswürdigkeiten - im Hotel kann man das Taxi buchen. Ein halber Tag kostet zwischen 20 und 30 Euro. Auch Mietwagen buchen ist möglich.

Sonnenuntergang an der Moschee Sidi Jamour - ein beliebter Aussichtspunkt für Einheimische wie Touristen.

Sonnenuntergang an der Moschee Sidi Jamour - ein beliebter Aussichtspunkt für Einheimische wie Touristen. © Katrin Wiersch

9. Essen, das man probiert haben muss auf Djerba

Brik, das traditionelle Frühstück der Beduinen: Ein Ei wird in einen Fladen geschlagen und mit verschiedenen Gewürzen in den Fladen eingewickelt. So kommt der Fladen in heißes Fett. Und nach kurzer Zeit frisch und heiß auf die Hand. Perfekt ist der Brik, wenn das Eigelb noch flüssig ist.

Couscous: Das tunesische Nationalgericht gibt es in zahlreichen Varianten - vegetarisch oder mit Fleisch

Chakchouka: Eintopf aus Zwiebeln, Tomaten, Paprika und Gemüse der Saison

Harissa: Scharf-rauchige Paste aus Chili, Knoblauch und Olivenöl. Wird zu vielen Gerichten beigemischt oder als Zusatz angeboten.

Tipp: Frisches Brot aus einer Bäckerei (Boulangerie) holen und dies in djerbisches Olivenöl und Harissa tunken - dazu noch Oliven und Thunfisch: Der perfekte Imbiss für den Strandtag

Celtia: Das in Tunesien gebraute Bier

Bhouka: Feigenschnaps mit 37,5 Vol.-% Alkohol

Direct: Starker Kaffee mit Milch - und Zucker, wenn man möchte

Express: Espresso

Thé a la menthe: gesüßter Minztee mit frischer Minze

Die djerbische Küche ist reich an Gemüse und Fleisch (so denn man möchte). Gekocht wird, was auf der Insel wächst.

Die djerbische Küche ist reich an Gemüse und Fleisch (so denn man möchte). Gekocht wird, was auf der Insel wächst. © Katrin Wiersch

Die wichtigsten Begriffe auf tunesisch

  • Danke: Aishek/Sacha (herzlich)/Shukran (förmlich)
  • Gerne geschehen: afouan
  • Vielen Dank und Gott ist mit Dir: shoukran jaychek (sehr herzlicher Dank)
  • Bitte: fadhel/minfodlik
  • Guten Tag/Hallo: Asslema/häbby
  • Auf Wiedersehen: Bislema
  • Auf geht‘s: Yalla!/Haya!
  • Entschuldigung: Sahmani
  • Guten Morgen: spachir scuid
  • Guten Abend: spachir scuida
  • Gut/In Ordnung: Bähi
  • Ja: na:am
  • Nein:

Gängige Sprache: Arabisch und Französisch - viele Djerbi können aber auch Englisch oder Deutsch

Djerba und die Sache mit dem Müll

Ganz Tunesien hat ein Plastikproblem. Auch auf Djerba ist es unübersehbar: Plastiktüten, Bauschutt, Schrott und vieles mehr findet man eigentlich auf jeder größeren freien Fläche, im Straßengraben, auch am Strand. Dieser Umstand ist einer regional sehr schlecht organisierten öffentlichen Müllentsorgung geschuldet. Aber auch einem mangelnden Wissen und Bewusstsein der Bevölkerung,

Laut der Umweltorganisation WWF werden in Tunesien nur etwa vier Prozent des anfallenden Mülls recycelt. Der Müll gelangt mit dem Wind ins Meer und von dort wieder an die Strände.

Doch es gibt erste Bestrebungen, diesem Problem Herr zu werden. Viele Hotelanlagen verfügen bereits über ein Recyclingsystem auf ihren Anlagen. Die Bevölkerung wird für das Thema Recycling sensibilisiert. "Wir sind auf einem guten Weg", sagt Hichem Mahouachi, Tourismusbeauftragter des tunesischen Fremdenverkehrsamtes auf Djerba.

Die tunesische Insel Djerba und die wichtigsten Orte für eine Tour über die Insel.

Die tunesische Insel Djerba und die wichtigsten Orte für eine Tour über die Insel. © Grafik: Punktx GbR

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