Mobilitätsmesse in München

IAA Mobility 2023: Ist München einen Ausflug wert?

Ulla Ellmer

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3.9.2023, 11:49 Uhr
Mercedes-Messekonzept am Apothekerhof: Hier gibt es Autos zu sehen, aber auch Mitfahrgelegenheiten, kulturellen Veranstaltungen, Kinderführungen und einen Familiensonntag.

© Mercedes-Benz AG Mercedes-Messekonzept am Apothekerhof: Hier gibt es Autos zu sehen, aber auch Mitfahrgelegenheiten, kulturellen Veranstaltungen, Kinderführungen und einen Familiensonntag.

Vor zwei Jahren ist die Internationale Automobil-Ausstellung IAA von Frankfurt nach München umgezogen. Nachdem die Messe zuletzt nicht nur von Aussteller- und Besucherschwund, sondern auch von heftigen Protestaktionen gegen das Exponat Auto heimgesucht worden war, ließ man sie am Main mit gewisser Dankbarkeit gen Süden an die Isar ziehen.

Mobilitätsformen mit Nachhaltigkeitsanspruch

Dem Verband der Automobilindustrie (VDA) sowie der Messe München als Veranstaltern war freilich klar, dass sich die IAA am neuen Standort auch neu erfinden würde müssen. Der Name wurde von IAA auf IAA Mobility erweitert, das Konzept grundlegend geändert. Nicht nur Autos bekamen fortan eine Bühne, sondern auch Mobilitätsformen mit Nachhaltigkeitsanspruch wie Fahrräder und Roller. Die Besucher wurden im Rahmen vielfältiger Mitmachaktionen am Geschehen beteiligt, beispielsweise konnten sowohl auf zwei als auch vier Rädern Testfahrten unternommen werden.

Vor allem aber erfuhr die IAA eine räumliche Zweiteilung: Ein Schauplatz war das Messegelände in Riem, wo sich die – im Vergleich zu früher deutlich entglitzerten – Messestände der Automobilhersteller unter jene von Start-ups und Zulieferern mischten, was letzterer Szene mehr Aufmerksamkeit vonseiten der Besucher bescheren sollte. Und dann waren da noch die sogenannten Open Spaces in der Münchner Innenstadt, wo sich die Aussteller allen Besuchern kostenfrei zugänglich machten.

Neuer Manta? Opel zeigt auf der IAA Mobility die elektrische Studie Experimental.

Neuer Manta? Opel zeigt auf der IAA Mobility die elektrische Studie Experimental. © Opel

Auch wenn es im Nachgang kritische bis grantelnde Stimmen gab, die beispielsweise Einschränkungen für Fußgänger und Radfahrer während der langen Auf- und Abbauzeiten monierten, beschädigte Rasenflächen beklagten oder große Messestände wie den von Mercedes am Odeonsplatz infrage stellten: Begünstigt von strahlendem Septemberwetter wurden die Open Spaces zum vollen Erfolg und einem Ereignis, das rund 300.000 Besucher anlockte, darunter viele Familien.

Albacopter des Fraunhofer Instituts: Auch die "Urban Air Mobility" (UAM) kann sich in München präsentieren.

Albacopter des Fraunhofer Instituts: Auch die "Urban Air Mobility" (UAM) kann sich in München präsentieren. © Fraunhofer-Gesellschaft

Und so wird das 2021er-Konzept auf der IAA 2023 weitgehend beibehalten; glaubt man den Prognosen, wird vom 5. bis zum 10. September auch das bayerische Spätsommerwetter wieder wohlwollend mitmachen. Einen gravierenden Unterschied zu 2021 gibt es aber doch: Die Messehallen in Riem, wo vor zwei Jahren ohnedies nicht allzu viel los war, werden diesmal nur dem (zahlenden) Fachpublikum zugänglich sein. Ansonsten soll in der City wieder Volksfeststimmung herrschen – vom Max-Joseph-Platz, wo sich BMW und Mini präsentieren, über den Wittelsbacher Platz, wo Audi und Porsche Präsenz zeigen oder den Odeonsplatz mit VW und Renault bis hin zu den Fahrradherstellern in der Hofgartenstraße und den Fahrrad-Rundkursen im Englischen Garten.

Das bunte Begleitprogramm sieht Gratiskonzerte am Königsplatz ebenso vor wie Diskussionsrunden, Workshops, Aktivitäten für Kinder, Testfahrten mit Autos und Fahrrädern, Pedelec-Fahrkurse für Senioren oder geführte Bike-Touren durch München und obendrein vielfältige Informationsveranstaltungen. Alle wichtigen Infos gibt es unter iaa-mobility.com; was relevant ist, lässt sich zudem über die IAA Mobility App abrufen.

Die gezeigten Auto-Neuheiten werden überwiegend elektrisch fahren. Petrolheads mit Faible für teure Exoten und PS-Protze dürften enttäuscht abziehen aus München, Ferrari, Lamborghini oder McLaren beispielsweise sind nicht vor Ort. Ob das und die erwähnten Bühnen für nachhaltige Mobilitätsformen Klimaaktivisten von Klebeaktionen und dergleichen abhalten werden, bleibt abzuwarten, mit Störfällen dürfte zu rechnen sein.

Open Space: So wird die Ausstellungsfläche von BMW am Max-Joseph-Platz aussehen.

Open Space: So wird die Ausstellungsfläche von BMW am Max-Joseph-Platz aussehen. © BMW

Nicht zuletzt davon könnte abhängen, ob es 2025 noch einmal eine IAA in München gibt. Ein weiteres Fragezeichen ergibt sich aus dem Umstand, dass die Reihe der ausstellenden Automobilhersteller große Lücken aufweist – sehr große sogar. Einen kompletten Überblick über das aktuelle Auto-Angebot wird sich der Besucher deshalb nicht verschaffen können. Für die deutschen Automobilhersteller, die im veranstaltenden VDA zusammengeschlossen sind, ist die Anwesenheit zwar Pflicht, von Audi über BMW bis hin zu Mercedes, Volkswagen und Opel sind sie alle vertreten. Doch es fehlen – bis eben auf Opel – alle Marken des großen Stellantis-Konzerns, Peugeot also ebenso wie Citroen, Fiat oder Jeep. Auch Volvo, die japanischen Hersteller (Mazda, Nissan, Toyota, Mitsubishi, Suzuki) sowie die Koreaner (Hyundai, Kia) haben der IAA einen Korb gegeben.

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