
Tempolimit und Lkw-Verbot
Verkehrsgutachten vorgestellt: Was Niederndorf hilft, belastet andere
Der Stadtrat hatte nämlich im Frühjahr beschlossen, die Folgen solcher Maßnahmen für den Verkehr untersuchen zu lassen. Ergebnis ist eine "Wirkungsanalyse von Maßnahmen im Zuge der Ortsdurchfahrt Niederndorf", die in dieser Woche im Planungs- und Umweltausschuss durch Matthias Kölle von "SSP Consult Beratende Ingenieure GmbH" vorgestellt wurde.
Viele Daten lagen bereits vor
Das Büro "SSP Consult" kennt die Verhältnisse in Herzogenaurach gut, weil es bereits die Verkehrsmodellrechnungen im Vorfeld der Südumgehungsplanungen durchgeführt hat. Errechnet und dargestellt wurden die Verkehrsflüsse für den seinerzeit aktuellen Stand (2015) sowie eine Prognose für 2035. Auf diese Berechnungen konnte SSP Consult zurückgreifen, um nun durchzurechnen, wie sich Tempo 30 und ein Lkw-Verbot in Niederndorf auswirken würde. Und zwar insbesondere auf die anderen Stadtteile.
Vier Varianten wurden untersucht:
Planfall 1: Tempo 30 auf der Niederndorfer Hauptstraße zwischen Ortstafel West und der Ampelkreuzung zur Peter-Fleischmann-/Vacher Straße. Laut SSP-Berechnung würde das im Jahr 2035 einen Rückgang von prognostizierten 17.400 Kraftfahrzeugen am Tag in der Niederndorfer Straße (West) auf 13.400 Kraftfahrzeuge bedeuten, im Ostteil von 16.200 auf 13.000. Dieser Rückgang taucht an anderer Stelle wieder auf, etwa in der Straße Zum Flughafen (Nord), wo dann 22.100 statt 19.400 Fahrzeuge angenommen werden.
Planfall 2: Tempo 30 zwischen Ortstafel West und Neuses. Diese verlängerte Zone würde sich laut Wirkungsanalyse noch stärker auswirken. Der Rückgang in Niederndorf wurde auf 9800 Kraftfahrzeuge (West) und 9000 Kraftfahrzeuge (Ost) errechnet, da, so die Annahme, viele Autofahrer diese Temporeduzierung nicht tolerieren und neue Wege suchten würden. Umso größer wäre laut SSP-Prognose die Verlagerung auf andere Straßen, beispielsweise die Rathgeberstraße: Diese würden 2035 insgesamt 10.200 statt bislang angenommene 6600 Kraftfahrzeuge nutzen.
Planfall 3: Lkw-Durchfahrtsverbot auf der Niederndorfer Hauptstraße und folglich auch auf der Peter-Fleischmann-Straße und der Vacher Straße plus Planfall 1. Nummer 3 würde den Lkw-Verkehr zum größten Teil auf andere Routen zwingen, wobei 2035 dann für den Nordteil der Straße "Zum Flughafen" 260 Lkw mehr pro Tag zu erwarten wären, in der Rathgeberstraße plus 160.
Planfall 4: Lkw-Durchfahrtsverbot wie Planfall 3, aber ohne Tempolimit. Hier entwickeln sich die Zahlen erwartungsgemäß. Die Wirkungsanalyse mit allen Zahlen ist auf der städtischen Homepage einzusehen.
Fazit der Modellrechnungen: Erwartungsgemäß je nach Planfall eine Entlastung für Niederndorf, aber eine Mehrbelastung anderer Straßen.
Trotzdem untersucht
Bürgermeister German Hacker betonte, dass Landratsamt und Staatliches Bauamt diese verkehrlichen Einschränkungen ohnehin ablehnen würden. Dennoch habe man sie untersuchen lassen, weil die Grünen diese Vorschläge gemacht hatten. Nicht untersucht habe man allerdings die Idee, die Niederndorfer Hauptstraße zu einer Einbahnstraße zu machen, weil das laut Hacker "schlichtweg nicht realisierbar" sei.
In der Diskussion wurde von Seiten von SPD und CSU ein Lkw-Durchfahrtsverbot ohnehin abgelehnt, und beim Thema Tempo 30 zeigte sich CSU-Sprecher Walter Drebinger dankbar, dass die Prognose "uns sehr geholfen hat" in der Meinungsbildung. Die Verkehrsverlagerungen seien erheblich, und die Bewohner der anderen Straßen könnten dann mit gleichem Recht Tempo 30 fordern. Womit wieder alles bei Alten wäre - außer dass eventuell ein Verkehrskollaps drohe.
Kollaps oder doch Beruhigung?
Das interpretierten die Grünen ganz anders. Sollte das der Fall sein, drohe kein Verkehrskollaps, sondern weniger Lärm, Stress und Gefahren auf allen innerörtlichen Straßen. Unabhängig davon, dass man "die Zahlen der Wirkungsanalyse" anerkenne (Retta Müller-Schimmel), sei es wichtig, neue Wege zu denken.
Das gelte auch für den Lkw-Verkehr, den man zwar "keineswegs wegdiskutieren" wolle (Patrizia Eliani Siontas). Aber statt weiter langfristig auf eine Südumfahrung zu setzen, sollte man weiter nach Alternativen suchen, wie etwa die Umleitung eines Teil der Lkw über Nordring und Würzburger Straße, um Niederndorf zu entlasten.
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