
Reise nach Dänemark
Zwischen modern gelebter Nachhaltigkeit und skandinavischem Charme: Kopenhagen im Winter
In der kühlen dänischen Schönheit von Großstadt haben sich an diesem Tag träge die Wolkenschleier in den Hausdächern der Backsteinhäuser verfangen. Auf den Hausfassaden reihen sich runde Fenster nebeneinander ein, dunkelblau trifft auf weiß trifft auf klare Linien, Ellipsen und Kreise. Alles hat Ordnung und Sinn. Auf den Dächern der Bushaltestellen wächst ein bisschen Grün.
Und gerade, wenn man denkt, hier gibt es nur hübsche Erker und Pastellfarben, findet man in Nørrebro Hausfassaden, die dicht bewachsen sind mit Graffiti und hinter denen sich hippe Second-Hand-Läden und edle Vintage-Shops verstecken. Da kann man nur tief durchatmen und erschöpft die Stirn gegen die frischgeputzte Bus-Fensterscheibe sinken lassen. Mehr Brennpunkt wird es nicht, denn: Kopenhagen ist eine Angeberstadt. Warum?
Jung und einfallsreich: Wie Kopenhagen Nachhaltigkeit lebt
Die Fahrradwege sind hier breit und vorbildlich gut ausgebaut, nur langsam und vorsichtig werden hier die Lastenfahrräder überholt. Klar, sind die hier gut ausgestattet: In Kopenhagen gibt es immerhin mehr Fahrräder als Einwohner. Knapp Die 744.500 Zweiräder düsen hier durchs Stadtgebiet, fünfmal mehr als Autos.

Und wer nicht auf zwei unterwegs ist, der lässt sich auf vier Rädern durch die Gegend kutschieren: Nirgendwo laufen einem so viele Papas mit Kinderwagen über den Weg wie in Kopenhagen. Was vielleicht auch daran liegt, dass die Stadt jung ist. 46 Jahre sind die Frauen und Männer hier im Schnitt, im Stadtteil Nørrebro ist sogar jeder Zweite unter 30 Jahre alt. Und sie sind voller Tatendrang: Aus alten Schiffscontainern bauen sie kleine Dörfer mit bezahlbaren Studentenwohnungen, aus einer alten Kirche ein LiteraturHaus mit Sprachkursen, Lesungen und Poetry Slams.

Skifahren auf der Müllverbrennungsanlage
Aus einer Müllverbrennungsanlage bauen sie Copenhill. Berge gibt es hier in Kopenhagen kaum, dafür haben sich die emsigen Kopenhagener eine Skipiste auf das Dach einer Müllverbrennungsanlage gebaut. Dort liegt weder Schnee noch Eis, sondern ein grüner Kunststoff, der an eine Fußmatte erinnert, die sich die Deutschen draußen als Fußabtreter vor die Terassentür legen.
85 Meter können Skibegeisterte in die Höhe fahren, dort wartet das Ende des Skilifts und ein Café. Es gibt mehrere Pisten und sogar eine Skischule. Alexander Kanstrup Ringlin arbeitet bei Copenhill, fährt selbst seit 25 Jahren Ski und erklärt: "Copenhill wollte beweisen, dass sich ein industrielles Großprojekt wunderbar mit einer öffentlichen Einrichtung vereinen lässt". 50 Euro kostet eine Stunde Skifahren auf der Plastikpiste, ein Jahresabo 200 Euro. "Wir wollten den Einwohnern von Kopenhagen etwas zurückgeben"*.

Die U-Bahnen in Kopenhagen kommen ausnahmslos im drei Minuten Takt und auch die Yellow Fairies, die Wassertaxis tuckern zuverlässig den Kopenhagener Kanal entlang. Alles läuft reibungslos, so reibungslos, dass dem ein oder anderen langweilig wird. Frederik, der Kapitän von der GoBoat Kreuzfahrt etwa erzählt von dem Moment, in dem er für sieben Jahre zu einer Weltreise aufgebrochen ist. "Hier in Kopenhagen hat alles funktioniert, es war alles auserzählt." Also packte er seine Sachen und reiste durch Rumänien, Istanbul, dann weiter nach Asien. "Die Menschen kommen hier in Kopenhagen kaum ins Gespräch, weil es keine alltäglichen Probleme gibt", witzelt er. Mittlerweile sei er aber froh so nah an der dänischen Hauptstadt zu wohnen. 25 Minuten braucht der 31-Jährige mit dem Fahrrad in die Innenstadt und hat dort – wie er findet – die besten Restaurant und unzählige Techno-Clubs zu Auswahl.
Schlaghosen treffen auf Batik-Pullis und Cowboystiefel
Kopenhagen ist jung - und kleidet sich seinem Alter entsprechend. Modisch gehen hier aktuelle It-Pieces in die Trends von übermorgen über: Bucket Hats und Schlaghosen treffen auf auffällige Batik-Pullis und Cowboystiefel. Daneben fühlt man sich hier uninspiriert und langweilig, statt Großstadt-Göre eher wie ein Vorstadtkrokodil, das in Klettverschluss-Sandalen feststeckt.

Graffitis sind in Kopenhagen detailliert ausgearbeitete Kunstwerke, die ganze Häuserfronten stylisch in Szene setzen. Und so läuft man hier still beeindruckt, aber nicht überrascht durch die Straßen und lässt sich willenlos erst von der einen und dann von der anderen Leckerei verführen. Die Gastroszene in Kopenhagen trägt insgesamt vierzehn Michelin-Sterne auf der Schürze. Zum Vergleicht: Nürnberg ist mit zehn ausgezeichneten Restaurants Deutschlands Spitzenreiter.

VisitDenmark empfiehlt etwa das italienische Restaurant Beast, das macht hier in Nørrebro ein Stockwerk über dem Restaurant den eigenen Mozzarella selbst. Käse soll man hier in Kopenhagen sowieso viel probieren, wie etwa den cremig-würzigen Gammel Knas. Außerdem ausnahmslos alles, was so verführerisch gut aus den kleinen Bäckereien herausduftet: knusprige Croissants in Würfelform mit geraspelten Pistazien obendrauf, Fastnachtsbrötchen oder die berühmt-berüchtigten Zimtschnecken.
Vom panierten Hering bis zum alkoholfreien Aperitif
Beim Essen machen die Dänen keine halben Sachen. Auf dunklem Körnerbrot türmt sich Fleischsalat aus Hähnchen, panierter Hering oder Garnelen – dazu ein pochiertes Ei und viel Mayonnaise. Wem es bei so viel Fleisch und Fisch schwindelig wird, der kann ausweichen auf vegane Restaurants wie das Ark, in dem sie etwa geräucherten Austernpilz servieren. Außerdem gibt es dort viele alkoholfreie Cocktails zur Auswahl für all diejenigen, die wenig mit trinkresistenten Seebären gemein haben und lieber auf den Schnaps nach jedem Gang Essen verzichten. Die Kopenhagener Marke Muri hat sich auf alkoholfreien Aperitif und Wein spezialisiert. Gut schmeckt die Variante mit dem Geschmack von gerösteten Aprikosen und gesalzener Magnolie.

Die vorbildlichen Kopenhagener, die können auch durchschnaufen, sich "hygge" in eine Decke einwickeln und dann mit der Mütze auf dem Kopf draußen vor den Cafés genüsslich an einer Zigarette ziehen. Im Enghave Café etwa warten nicht nur gelbe Kuscheldecken und ein blau lackiertes Motorrad, sondern auch kleine vegane Schokokugeln aus Kokoscreme, Hafer und Kakao.
Kopenhagens Bierkultur: "Was Bier betrifft, sind uns die Deutschen immer noch weit überlegen!"
Gegen die Großstadteinsamkeit haben die Kopenhagener auch schon erste Ideen: Community Dining. Dort zahlen Gäste einen – für Kopenhagener Verhältnisse – geringen Preis, sie teilen das Essen, das in Töpfen und Schalen an einen großen Tisch gebracht wird, sie singen Geburtstagslieder, stoßen alle gemeinsam an, lernen ihre Sitznachbarn kennen. Etwa im Kanalhuset im Christianshavn zaubern Espian und sein Team immer um 19 Uhr ein Menü auf die Tische. Ansonsten kann man sich dort aber auch Mittwoch frühmorgens beim "Morning dip & sing" zum gemeinsamen Eisbaden und anschließenden Singen treffen oder nachmittags gemeinsam häkeln und nähen.

Auch was das Bier betrifft, sind die Kopenhagener Genießer. "Das Freitagsbier ist hier Pflicht", erinnert Sine, die auf der Copenhagen Cool Tour durch den Stadtteil Nørrebro führt. Ein dänisches Sprichwort besagt: "Zwei Personen treffen sich auf ein Bier, sind es drei Biertrinkende, entwickeln sie schon eine neue Geschäftsidee." War klar, selbst beim Biertrinken zeigen sich die Dänen noch einfallsreich!
"Was Bier betrifft, sind uns die Deutschen immer noch weit überlegen!", sagt Sander Funch und lacht, als er durch die Glyptothek von Carl Jacobsen führt, der sich mit der Carlsberg Brauerei Millionen verdiente. "Na immerhin" kann man da als Franke nur grummeln, sich trotzdem eine Scheibe vom nachhaltigen Kopenhagen abschneiden und sich anschließend trotzig ein großes Stück zart-knusprigen Spandauer in den Mund schieben.
Wie funktioniert das Eisbaden?
Wer das erste Mal eisbadet, sollte nicht länger als zwei Minuten ins Wasser. Am besten Arme und Kopf aus dem Wasser halten, um das Herz zu schonen. Wichtig ist, nicht zu hyperventilieren und auf eine regelmäßige und ruhige Atmung zu achten. Danach direkt in die Sauna oder abtrocknen und warm einpacken. Hans Henrik Fisk von Copenwater warnt: "Im Anschluss ans Eisbaden nicht direkt unter die heiße Dusche. Denn dann kann der Körper kollabieren". Stattdessen: Langsam wieder aufwärmen. Wer Herzprobleme oder andere Vorerkrankungen hat, sollte sich vorab bei einem Arzt oder einer Ärztin beraten lassen.

Anreise:
Nach Kopenhagen fliegen Franken am besten ab München oder Frankfurt. Von beiden Städten aus sind es um die 90 Minuten Flug. Mit dem Zug von Nürnberg bis nach Kopenhagen schaffen es Reisende kaum unter 12 Stunden. Wer Glück hat, muss nur zweimal umsteigen.
Beste Reisezeiten:
Für einen Besuch in Kopenhagen eignen sich sowohl die Sommer-, als auch die Wintermonate. Im März ist das Wasser noch kalt genug zum Eisbaden, am Tag freuen sich die Dänen aber schon über deutlich mehr Sonnenstunden. Im Februar feiert Kopenhagen das bekannte Lichterfestival.
Tipp:
In Kopenhagen sind die Fahrradwege wunderbar ausgebaut, fast alles lässt sich bequem auf zwei Rädern erreichen. Auch mit den Wassertaxis kommen Touristen bequem von A nach B.
Die Ny Carlsberg Glyptotek ist in jedem Fall sehenswert, insbesondere, wenn Sander Funch durch die Ausstellung der antiken Steinskulpturen führt. Wer noch mehr Tipps braucht oder Fragen hat, kann sich direkt an VisitDenmark wenden: daninfo@visitdenmark.com.
Anmerkung der Redaktion
*alle Zitate sind von unserer Autorin aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.
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