Demonstranten halten "Elbows Up Canada"-Schilder (Ellenbogen hoch Kanada) während einer Kundgebung auf dem Parliament Hill in Ottawa.
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Demonstranten halten "Elbows Up Canada"-Schilder (Ellenbogen hoch Kanada) während einer Kundgebung auf dem Parliament Hill in Ottawa.

Kommentar

Um die USA herum und an den USA vorbei: Die Welt sortiert sich langsam neu

Was haben Deutschland, Grönland, die Ukraine, Mexiko, Estland, Kanada und Panama gemeinsam? In jedem dieser Länder und in vielen anderen Staaten der Erde bestimmt seit knapp zwei Monaten Donald Trump mit der Wucht eines Naturereignisses die politische Agenda. Mal auf existenzielle Weise wie in der Ukraine, mal eher noch als Drohung wie in Deutschland.

Wir selbst müssen fürchten, in einen Handelskrieg hineingezogen zu werden, was uns als Exportnation hart treffen könnte. Und gleichzeitig scheint es so, als ob wir unseren militärischen Schutzschirm verlieren. Wir werden also von zwei Seiten in die Zange genommen. Wer sollte da noch ruhig schlafen können.

Schnell und konsequent

Bei allen Irritationen, die von den USA ausgehen, gibt es aber auch eine positive Nachricht: Die Welt sortiert sich um die Vereinigten Staaten herum und an den Vereinigten Staaten vorbei. Sie tut das erstaunlich schnell und konsequent.

Die wackeren Kanadier, die 51. Bundesstaat der USA werden sollen, boykottieren Produkte aus dem Trumpland und haben tausendfach ihre Urlaubsreisen dorthin storniert. Beides wirkt sich bereits schädlich auf die US-Wirtschaft aus. Die kanadische Flagge mit dem Ahornblatt verkauft sich so gut wie kaum jemals zuvor.

Die Ukrainer haben ihre Verteidigungsaktivitäten gegenüber Russland umgestellt, seit kein Material mehr aus den USA kommt. Sie versuchen, sich mit einer Mischung aus Rationierung, Hilfen durch andere Staaten und verstärkter Eigenproduktion von Waffen und Munition Zeit zu kaufen.

Westeuropa ist sich - inklusive des aus der EU ausgetretenen Großbritannien - auf geradezu historische Weise einig darin, seine Verteidigungsfähigkeit dramatisch stärken zu wollen. Auf Bremser wie Ungarns Viktor Orban wird dabei endlich keine Rücksicht mehr genommen. Rüstungsprodukte aus den Vereinigten Staaten sind künftig nicht mehr die erste Wahl.

Es sind noch viele andere Maßnahmen denkbar, die sich verschlechternden Beziehungen den USA mit etwas Neuem zu kompensieren. Kanada und Südamerika kommen als Handelspartner für Europa in Betracht. So könnten sich Trumps Opfer auf beiden Seiten des Atlantik unterstützen. Auf unserem eigenen Kontinent täte mehr wirtschaftlicher EU-Patriotismus gut.

Es ist in der internationalen Politik im Grunde kaum anders als in der Medizin. Wenn sich eine Engstelle in den Gefäßen gebildet hat, dann wird ein Bypass gelegt. Genau das müssen die vernünftigen Staaten auf der Welt jetzt tun, um den lebensnotwendigen "Blutfluss" beim Handel und in der Sicherheit nicht verstopfen zu lassen.

Welt als Selbstbedienungsladen

Alleine die wenigen, eingangs dieses Kommentars als Beispiele erwähnten Länder haben fast 300 Millionen Einwohner und damit nicht sehr viel weniger als die USA mit einer Bevölkerung von 340 Millionen Menschen. Ein gesundes Selbstbewusstsein ist zwingend nötig gegenüber einem Mann, der die Welt offensichtlich als Selbstbedienungsladen betrachtet.

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