Fertig für den Export: Neuwagen stehen auf dem Autoterminal der BLG Logistics Group.
© Ingo Wagner/dpa
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Fertig für den Export: Neuwagen stehen auf dem Autoterminal der BLG Logistics Group.

Kommentar

Trumps Zoll-Politik kann die US-Wirtschaft schwächen - und ihm selbst gefährlich werden

Man dürfe Trump doch nicht so hart kritisieren, sagen manche - auch an die Adresse der Medien: „America first“ sei richtig, daran sollten sich auch unsere Politiker halten. Daher solle man den US-Präsidenten mal machen lassen.

Ja, Regierende müssen sich zuerst um das Wohl ihres Landes kümmern. Darauf legen sie in der Regel einen Eid ab, das ist ihr Job. Aber: Ist das, was sie im Amt tun, tatsächlich gut für ihr Land? Macht Trump mit seinem Kurs „America great again“, stärkt er die USA?

Im Rekordtempo wird aus der Demokratie eine Autokratie

Leider sind immer mehr Zweifel erlaubt. Sehr begründete Zweifel. Der 47. Präsident der Vereinigten ist im Rekordtempo dabei, diese altehrwürdige Demokratie in eine Autokratie umzubauen. Mit Attacken und Maßnahmen gegen Unis, gegen die Wissenschaft, gegen freie Medien, gegen die Justiz, gegen alle, die ihm nicht huldigen. Und mit der Zerschlagung eines funktionierenden Staatsapparates.

Trumps Team arbeitet - man muss es so sagen - in vielen Bereichen dilettantisch, chaotisch. So, wie es zu befürchten war von Führungspersonal, das dem Präsidenten vor allem ergeben sein muss: Gefolgschaft war das einzig entscheidende Kriterium, nicht Professionalität.

Bezeichnend, wie der Präsident und seine Helfer mit dem Skandal der Chat-Panne umgehen: Dass da höchst geheime Informationen in einer leicht knackbaren Gruppe auf Signal geteilt wurden - das ist für Trump und Pentagon-Chef Hegseth natürlich einzig und allein die Schuld des (angesehenen) Journalisten, der die Affäre publik machte, nachdem er in die Gruppe geladen wurde. Das Amt des Verteidigungsministers setzt bei Trump offensichtlich keinerlei Fachkenntnis voraus, sondern nur den unbedingten Willen, den Präsidenten zu verteidigen.

Nun hat Trump, wie angekündigt, den „Befreiungstag“ ausgerufen. Er meint damit die Zölle, die er auf alle Auto-Importe - auch Teile - erheben will. Es ist eine aller Voraussicht nach verheerende Politik - aus der tiefsten Vergangenheit. Zölle sind Kosten; die Preise von Autos in den USA werden steigen, die Inflation, die Trump senken wollte, dürfte anziehen. Börsen und Verbraucher reagieren geschockt. Selbst Trump räumt ein, dass es zu einer Rezession kommen kann.

Das Gegenteil von schöpferischer Zerstörung

Das ist das Gegenteil jener „schöpferischen Zerstörung“, die der Ökonom Joseph Schumpeter einst empfahl - und die, gut gemacht, Wirkung zeigen kann. Es ist eine mutwillige, sinnlose Zerstörung der größten Volkswirtschaft der Welt, die sich in der Ära Biden - anders als in Trumps Lügenwelt - sehr gut entwickelte. Und sein Crashkurs hat Folgen für weite Teile der Welt; Deutschlands ohnehin kriselnde Automobilindustrie bekommt den nächsten Schlag.

Europa wäre gut beraten, bei seinem Kurs weitgehend freier Märkte zu bleiben, ihn eher zu forcieren: So entsteht Wohlstand, nicht durch Protektionismus und Abschottung. Trump ist dabei, sich selbst zu demontieren: Viele haben ihn wegen der Wirtschaft gewählt - und die fährt er nun an die Wand.

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