US-Präsident Donald Trump spricht während einer Veranstaltung zur Ankündigung neuer Zölle im Rosengarten des Weißen Hauses.
© Mark Schiefelbein/dpa
US-Präsident Donald Trump spricht während einer Veranstaltung zur Ankündigung neuer Zölle im Rosengarten des Weißen Hauses.

„Tag der Befreiung“

Trump verhängt Zölle und riskiert Rückkehr der 1930er Jahre: Europa muss besonnen handeln

Da stand er nun wie Moses mit den Gesetzestafeln - nicht am Berg Sinai, sondern im Rosengarten des Weißen Hauses. Und die zehn Gebote sind relativ einfach im Vergleich zum komplexen Zoll-Regelwerk, das Donald Trump am von ihm ausgerufenen „Tag der Befreiung“ präsentierte.

Nach biblischer Knechtschaft klang, was er über die Leiden der USA erzählte: „Jahrzehntelang wurde unser Land geplündert, gebrandschatzt, vergewaltigt und ausgeplündert, von nahen und fernen Nationen, von Freunden und Feinden gleichermaßen.“ Trump meint damit die bis vor kurzem blühende Wirtschaft Amerikas, aber er meint das tatsächlich ernst, und er lässt nun seinem alttestamentarischen Zorn freien Lauf gegen den Rest der Welt. Außer Russland, das nicht auf der Zoll-Liste steht.

Ausgerechnet der Bürokratie-Zerstörer schafft ein aberwitziges Regelwerk

Dass da ausgerechnet der Mann, der Bürokratie zerschlägt und Verwaltungen demontiert, ein aberwitziges Regelwerk aufbaut - ein Treppenwitz der Geschichte. Für Trump funktioniert Wirtschaft wie im Manchester-Kapitalismus. Und dorthin könnte er die Weltwirtschaft zurückkatapultieren - wenn die anderen Staaten nicht kühl und gelassen reagieren, sondern sich hineintreiben lassen in seinen Wirtschaftskrieg.

Trumps Kampfansage gilt offenbar dem gesamten Steuersystem moderner Staaten - anders lassen sich seine Zollsatz-Berechnungen nicht begründen: Er bezieht da auch Mehrwertsteuern und alle sonstigen Abgaben mit ein. Steuern lösten einst Zölle ab - und es sieht so aus, als wolle Trump zurück in die Vor-Steuer-Ära, eine brutale Welt.

Anfang der 1930er Jahre erhöhten die USA dann ihre Zölle drastisch. Das verschärfte die Rezession, es fachte die Weltwirtschaftskrise an - die mündete in den Zweiten Weltkrieg. Was Trump nun inszeniert, ist daher in der Tat brandgefährlich. Das Risiko lässt sich aber entschärfen. Mit langem Atem, kühlem Kopf. Und dem Vertrauen darauf, dass freie Märkte und freier Handel - also das, wofür die USA bisher standen - nachweisbar mehr Wohlstand schaffen als Abschottung.

Europa und andere Wirtschaftsmächte können Allianzen schließen. Allein die EU hat enormes Wachstumspotenzial, wenn sie ihre internen Handelshemmnisse endlich abbaut. Da könnten neue Chancen entstehen - durch das Umgehen der USA, solange sie von einem Zerstörer regiert werden.

Möglich, dass Trump Amerika nicht „great“ macht, sondern an die Wand fährt

Dann nämlich würde sich dessen Zerstörung vor allem gegen das eigene Land richten. Warum sollen Konzerne ausgerechnet jetzt dort Fabriken bauen - in einer Phase höchster Verunsicherung? Nein: Der Rest der Weltwirtschaft ist stark genug, um gegenzuhalten. Und abzuwarten, was in den USA passiert. Dort sinkt die Stimmung, die Inflation steigt, Trumps Kurs kann das Land an die Wand fahren statt es „great“ zu machen.

Nur nicht provozieren lassen, sondern sich auf eigene Stärken besinnen: Europa und andere könnten - ähnlich wie durch Putins Krieg gegen die Ukraine - gestärkt werden durch angeblich starke Männer. Noch eine Ironie der Geschichte, hoffentlich.

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