
Kommentar
Trump setzt um, was er ankündigte - ob Amerika so wirklich „groß“ wird, das ist die Frage
Der Mann tut, was er sagt. Er setzt um, was er angekündigt hat. Das muss man Donald Trump lassen.
Ob er damit aber Amerika tatsächlich "great" macht? Zweifel sind erlaubt und begründet, sie wachsen sogar. Doch: Trump wehrt sich vehement gegen Kritik und Kritiker, er duldet nur Huldigung. Das zeigte sich bei seiner Rede vor dem Kongress.
Die Atmosphäre ähnelte der in früheren Ostblock-"Parlamenten"
Die Atmosphäre ähnelte eher der in früheren Ostblock-"Parlamenten". Die Demokraten überzog er mit Hass und Lügen. Die Tonlage war aggressiver als beim Politischen Aschermittwoch - und das will was heißen.
Trump will Unterwerfung: Wer ihm widerspricht, den grenzt er aus - oder lässt ihn aus dem Kongress werfen. Kritiker zählen für ihn nicht zum "Volk", zum "wahren Amerika". Er setzt auf Kulturkampf, mit aller Härte.
Es gibt auch in Deutschland viele, die das prima finden. Kann man - aber niemand sollte die Augen davor verschließen, in welche Richtung Trump diese altehrwürdige Demokratie steuert: hin zu Nationalismus, Isolationismus, Imperialismus und antidemokratischem Autoritarismus.
Den Universitäten und Bildungseinrichtungen hat er kürzlich gedroht, mit aller Härte gegen Demos und Proteste vorzugehen. Die Erstürmer des Kapitols dagegen hat er begnadigt - weil sie ihm huldigen.
Ein Regiment der gar nicht so latenten Bedrohung
Mit Elon Musk wütet er im Beamtenapparat, willkürlich, radikal. Musk will und bekommt Zugriff auf Daten der Ämter, sein Kurs schüchtert Millionen von Menschen ein, deren Job er canceln kann. So entsteht ein Regiment der gar nicht so latenten Bedrohung.
Trumps Vize Vance und er rütteln an der Unabhängigkeit der Justiz. Musk und andere Oligarchen lenken ihre Medien, Jeff Bezos duldet in seiner "Washington Post" nur noch Trump-gemäße Kommentare. Aber zuvor attackierte Vance die Europäer, sie würden Meinungen unterdrücken - weil die EU versucht, Hetze zu regulieren, was die Gewinne der Internet-Giganten schmälern könnte.
Die Kappung von Hilfen für Entwicklungsprojekte wird viele, viele Todesopfer in armen Ländern fordern - weil Impfungen und Projekte auslaufen. Trumps Zollpolitik schickte die Börsen erst mal auf Talfahrt, die Inflation steigt wieder, seine wirtschaftliche Zwischenbilanz ist mies.
Trump sichert den USA nun wohl doch Rohstoffe aus "seinem" Teil der Ukraine, der andere geht an Kumpel Putin - von Sicherheitsgarantien reden beide nicht. Welcher Frieden kommt da? Völkerrecht gilt für beide ja nichts.
Warum denken wir an "Des Kaisers neue Kleider"?
Aber er prahlt, der beste US-Präsident zu sein. Warum denken wir da an "Des Kaisers neue Kleider"? Weil es auch in Amerika etliche gibt, die sehen, was das Kind in Andersens Märchen sah - und zu sagen wagte inmitten von Huldigern des Kaisers: "Aber er hat ja gar nichts an."
Möglich, dass die geballte Medien- und Lügen-Kampagne Trumps doch nicht alle erreicht und viele sehen, was geschieht. Wir sollten es genau und gelassen beobachten - gemäß dem diesjährigen Fasten-Motto der evangelischen Kirche: Luft holen - sieben Wochen ohne Panik. Mindestens.
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