Der historische Weinstadel mit Wasserturm ist seit 1950 ein Studentenheim.
© Hartmut Voigt
Der historische Weinstadel mit Wasserturm ist seit 1950 ein Studentenheim.

Studentenwerk lehnt Vermietung ab

Nürnberg: Leere Räume im historischen Weinstadel?

Für viele Touristen ist der historische Weinstadel ein romantisches Nürnberger Fotomotiv: Von der Maxbrücke aus kann man über die Pegnitz hinweg beeindruckende Bilder von einem der längsten Fachwerkbauten Deutschlands machen.

Doch bei genauerem Hinsehen sieht zumindest das Erdgeschoss nicht mehr ganz so schön aus. "Ein Blick durch die verdreckten Fenster zeigt, dass viele Räume leer sind und allenfalls als Abstellplatz für alte Gerätschaften oder ein paar Fahrräder dienen", meint Zeitungsleser Hans Stengel, der öfter an dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem 15. Jahrhundert vorbeikommt.

Dosen, Kübel und Kabel

Offenbar sei das Erdgeschoss weitgehend ungenutzt, vermutet der Passant und fragt: Könnte man dann die Räume nicht an Museen oder Vereine vermieten, die mitunter dringend Depots oder Lagerräume suchen? In der Tat stehen in einem Raum ungeordnet alte Spraydosen, Kabel, Kübel und Kartons hinter verschmutzten Fenstern. Bei anderen Fenstern kann man allerdings nichts erkennen, sie sind blickdicht verglast.

Blick durch ein Fenster im Erdgeschoss: In einem Raum steht nur Gerümpel.

Blick durch ein Fenster im Erdgeschoss: In einem Raum steht nur Gerümpel. © Hartmut Voigt

Zuständig für den Weinstadel ist das Studentenwerk Erlangen-Nürnberg, das hier ein Studentenwohnheim mit 72 Zimmern im oberen Geschoss betreibt. Von einem größeren Leerstand im Erdgeschoss ist dem stellvertretenden Studentenwerks-Geschäftsführer Uwe Scheer nichts bekannt, er will einem falschen Eindruck entgegentreten: "Aktuell ist nur ein Raum nicht genutzt, der soll saniert werden. Darüber hinaus prüft das Studentenwerk verschiedene Möglichkeiten einer zukünftigen Verwendung." Das Erdgeschoss umfasst eine Nettofläche von rund 400 Quadratmetern: Hier hat der Hausmeister sein Büro, es gibt WCs, den Heizungsraum sowie einen Raum für Veranstaltungen, so Scheer.

Keine Mensa mehr

Dort kämen beispielsweise neu eingezogene Studenten zusammen, um sich bei einem "internationalen Frühstücksbuffet" kennenzulernen. Das gemeinsame Zubereiten von Gerichten aus dem Herkunftsland verbinde die Erstsemester, die häufig noch keinen Anschluss haben. Allerdings könnten die Gemeinschaftsräume in Wohnheimen generell wegen der Pandemie derzeit nur eingeschränkt genutzt werden.

Früher hat im Erdgeschoss auch eine Mensa existiert. Doch mit der Eröffnung der großen Mensa auf der Insel Schütt 1993 hatte die Küche im Weinstadel ihren Betrieb eingestellt.

Dass von außen mancher Raum einen verstaubten, unordentlichen Eindruck macht, so Scheer, hängt vielleicht auch mit der Corona-Pandemie zusammen: "Da wurden viele Gemeinschaftsräume in unseren Studentenheimen geschlossen." Ein Durcheinander von alten Dosen und Gerümpel "sollte aber nicht sein".

Eine Vermietung von Erdgeschoss-Räumen an Vereine oder Gruppen lehnt das Studentenwerk ab: "Wir können den Platz nicht Externen zur Verfügung stellen, er ist den Bewohnern vorbehalten", sagt Scheer. Dies sei auch wegen rechtlicher Vorschriften so.

Große Nachfrage

Das Studentenwerk Erlangen-Nürnberg bietet im Stadtgebiet 1146 Zimmer und Apartments für Studierende an. Der historische Weinstadel ist mit 74 Einheiten ein sehr kleines Heim, ein Vergleich: Das Studentenheim in St. Peter verfügt über 650 Plätze.

Die Studentenzimmer sind im ersten Stock, nicht im Erdgeschoss untergebracht.  

Die Studentenzimmer sind im ersten Stock, nicht im Erdgeschoss untergebracht.   © Hartmut Voigt

Die Nachfrage nach bezahlbaren Unterkünften ist groß: "Wir haben keinen Leerstand, nur jedem dritten Bewerber können wir eine Zusage geben", betont Scheer. Dass es im historischen Weinstadel keine separaten Duschen, sondern - neben den möblierten Einzelzimmern mit Waschbecken - nur Gemeinschaftsbäder gibt, ist offenbar kein Hindernis. Die Miete für die zehn bis 20 Quadratmeter großen Räume beträgt zwischen 218 Euro und 272 Euro im Monat.

Einst Unterkunft für Leprakranke

Der Name "Weinstadel" hat sich aus dem 16. Jahrhundert erhalten, als in dem riesigen Fachwerkbau ein reichsstädtisches Weinlager untergebracht war. Errichtet wurde das denkmalgeschützte Gebäude zwischen 1446 und 1448 außerhalb der vorletzten Stadtmauer: Dort hatte man in der Karwoche Leprakranke untergebracht und versorgt.

Später kamen hier Handwerker und arme Familien unter. Es diente außerdem als Frauenspinnhaus, als Krankenunterkunft und eben als Weindepot. Im Zweiten Weltkrieg gab es schwere Sprengbombentreffer. Seit 1950 ist der Fachwerkbau mit dem angrenzenden Wasserturm ein Studentenwohnheim.