
Trauer um Inge Lauterbach
Altstadtfreunde: Frühere Vorsitzende und Museums-Mitbegründerin starb im Alter von 84 Jahren
Die Geschichte der Stadt, ihr kulturelles Erbe, aber auch das gesellschaftliche und soziale Klima - all das lag ihr am Herzen. Jetzt muss die Stadt und müssen vor allem die Nürnberger Altstadtfreunde von ihr Abschied nehmen: Im Alter von 84 Jahren ist Inge Lauterbach, frühere Vorsitzende des Vereins und vielfach engagierte Bürgerin, in der vergangenen Woche gestorben. "Wir wussten, dass es mit ihrer Gesundheit nicht zum Besten stand, und doch kam ihr plötzlicher Tod für uns überraschend und hat uns erschüttert", schrieb Karl-Heinz Enderle, der Vorsitzende der Altstadtfreunde, in einer ersten Rundmail an die rund 200 aktiven Ehrenamtlichen.
Noch vor zwei Wochen war sie bei der Eröffnung der großen Kunstausstellung zum 50-jährigen Bestehen der Altstadtfreunde und zu 20 Jahren "Kunst in der Scheune" in der Kulturscheune an der Zirkelschmiedsgasse anzutreffen - und jetzt werden viele die Begegnung mit ihr und das letzte Gespräch besonders intensiv im Gedächtnis behalten. Dabei fügt es sich, dass am selben Ort ihrer an diesem Dienstagabend besonders gedacht wurde: Ehe Enderle zu seinem Jubiläumsvortrag ausholte, würdigte er in bewegten Worten seine Vorgängerin. "Dass wir hier zusammenkommen können, ist nicht zuletzt ihr zu verdanken", stellt er fest, hatte Inge Lauterbach doch die entscheidenden Anstöße gegeben, die Scheune nicht als Lager oder Ähnliches zu nutzen, sondern als attraktiven Raum für Veranstaltungen und Begegnungen zu gestalten.
Ringen um den Augustinerhof
Aus dem Münsterland stammend, war Lauterbach als promovierte Chemikerin lange im Umweltamt der Stadt Nürnberg tätig. Schon früh engagierte sie sich bei den Altstadtfreunden - unter anderem in den Auseinandersetzungen um eine Neubebauung des Augustinerhofs. Vor 19 Jahren ließ sie sich überzeugen, die Verantwortung als Nachfolgerin von Erich Mulzer zu übernehmen, der dem Verein über Jahrzehnte seinen Stempel aufgedrückt hatte. Inge Lauterbach fand ihren eigenen Weg und Stil, pflegte intensive Kontakte quer durch die Stadtgesellschaft und war eine gefragte Gesprächspartnerin.
Mit Beharrlichkeit, aber ihrer pragmatischen und ausgleichenden Art konnten die Altstadtfreunde verschiedene Projekte wie die Sanierungen in der Weißgerbergasse und der Irrerstraße vollenden, neue anpacken - und vor allem die alten Handwerkerhäuer in der Kühnertsgasse als echte Schmuckstücke herausputzen.
Als sie, auch aus persönlichen Gründen, im Jahr 2010 den Vorsitz aufgab, legte sie nicht etwa die Hände in den Schoß, sondern kümmerte sich mit Herzblut um die Einrichtung und den Aufbau des kleinen Museums [22/20/18] - am Ende vielleicht ihr nachhaltigstes Verdienst.
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