Das sollten Sie lesen

Von Patrick Modiano bis Liza Marklund: Unsere Buchtipps für April 2025

Wieder einmal ein Buch, das – so die französische Presse – als „Quintessenz seines Werkes“ gelten kann. Patrick Modianos „Die Tänzerin“ (Hanser, 20 Euro) ist freilich nicht mehr und nicht weniger als die Fortsetzung einer scheinbar unendlichen Geschichte, an der der Nobelpreisträger unermüdlich webt. Die Bücher werden immer schmäler, was nichts mit ihrer Qualität zu tun hat. Der Modiano-Sound mit den topografischen Finessen ist auch in dieser Story einer zufälligen Begegnung und einer rätselhaften Biografie in einem Paris vor 50 Jahren unverkennbar. Und auf der vorletzten Seite verrät der Franzose, was ihn selber an seinen Figuren interessiert: Sie gehören nicht in die Vergangenheit, „nein, sie gehören in eine ewige Gegenwart“. Bernd Noack
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Wieder einmal ein Buch, das – so die französische Presse – als „Quintessenz seines Werkes“ gelten kann. Patrick Modianos „Die Tänzerin“ (Hanser, 20 Euro) ist freilich nicht mehr und nicht weniger als die Fortsetzung einer scheinbar unendlichen Geschichte, an der der Nobelpreisträger unermüdlich webt. Die Bücher werden immer schmäler, was nichts mit ihrer Qualität zu tun hat. Der Modiano-Sound mit den topografischen Finessen ist auch in dieser Story einer zufälligen Begegnung und einer rätselhaften Biografie in einem Paris vor 50 Jahren unverkennbar. Und auf der vorletzten Seite verrät der Franzose, was ihn selber an seinen Figuren interessiert: Sie gehören nicht in die Vergangenheit, „nein, sie gehören in eine ewige Gegenwart“. Bernd Noack © Hanser; Eric Blochet/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

Diese drei alten Mädels über 70 - ehemals alle Uni-Dozentinnen - kennt man bereits aus einer anderen Kurzgeschichte von Margaret Atwood. Nun sind sie zurück und sinnen auf Rache an den Männern, notfalls bis zum Mord! Einer schon ziemlich moribunden Freundin, die erfolgreich Romane schrieb, wurde von einem neidischen Autorenkollegen einst übel mitgespielt. Ihm und seinen Helfern soll nun der Garaus gemacht werden. Aber haben die Ladies noch die Kraft dazu? "Hieb und Strich" erheitert auf nur 64 Seiten mit einer schönen Schnurre aus literarischen Kreisen und dem alterslos kecken Witz von Atwood selbst. (Berlin Verlag, 6 Euro) Wolf Ebersberger
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Diese drei alten Mädels über 70 - ehemals alle Uni-Dozentinnen - kennt man bereits aus einer anderen Kurzgeschichte von Margaret Atwood. Nun sind sie zurück und sinnen auf Rache an den Männern, notfalls bis zum Mord! Einer schon ziemlich moribunden Freundin, die erfolgreich Romane schrieb, wurde von einem neidischen Autorenkollegen einst übel mitgespielt. Ihm und seinen Helfern soll nun der Garaus gemacht werden. Aber haben die Ladies noch die Kraft dazu? "Hieb und Strich" erheitert auf nur 64 Seiten mit einer schönen Schnurre aus literarischen Kreisen und dem alterslos kecken Witz von Atwood selbst. (Berlin Verlag, 6 Euro) Wolf Ebersberger © Berlin Verlag; LEEROY Agency/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

Ähnlich seinem Landsmann Karl Ove Knausgard pflastert auch Johan Harstad die literarischen Langstrecken Norwegens gewichtig. "Unter dem Pflaster liegt der Strand" heißt sein jüngster Wurf. Kernkraft und Jugendliebe, Lebensentwürfe und Gesellschaftszerwürfnisse stecken in diesem Roman. Er kreist um einen schwarzen, radioaktiven Stein, der hellsichtig, aber auch wahnsinnig machen kann. Nur wo liegt er? Anrührend fächert Harstad Biografien auf und schmuggelt bizarr sogar Spione in die Handlung ein. Sein literarisches Kopfsteinpflaster schüttelt den Leser durch, hält aber dadurch auch stets wach. Selbst auf 1152 Seiten. (Ullstein, 36 Euro) Christian Mückl
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Ähnlich seinem Landsmann Karl Ove Knausgard pflastert auch Johan Harstad die literarischen Langstrecken Norwegens gewichtig. "Unter dem Pflaster liegt der Strand" heißt sein jüngster Wurf. Kernkraft und Jugendliebe, Lebensentwürfe und Gesellschaftszerwürfnisse stecken in diesem Roman. Er kreist um einen schwarzen, radioaktiven Stein, der hellsichtig, aber auch wahnsinnig machen kann. Nur wo liegt er? Anrührend fächert Harstad Biografien auf und schmuggelt bizarr sogar Spione in die Handlung ein. Sein literarisches Kopfsteinpflaster schüttelt den Leser durch, hält aber dadurch auch stets wach. Selbst auf 1152 Seiten. (Ullstein, 36 Euro) Christian Mückl © Ullstein; Henryk Niestrój/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

Ein Buch über Demenz und Tod, das unglaublich traurig und zugleich absolut lebensbejahend ist - dieses Kunststück ist Petra Pellini, geboren 1970 in Vorarlberg, mit ihrem Roman "Der Bademeister ohne Himmel" gelungen. Die 15-jährige Linda hat ihren Lebensmut verloren. Doch Schulfreund Kevin und der 86-jährige Nachbar Hubert sorgen dafür, dass sie sich nicht aufgibt. Für ein Taschengeld kümmert sich die Jugendliche um den dementen Hubert, der immer mehr ins Vergessen abgleitet - und kommentiert aus Teenager-Sicht lakonisch und mit Witz das Geschehen. Die Autorin hat selbst lange demenzkranke Menschen gepflegt: Das merkt man dem sensiblen Werk an. Absolut empfehlenswert! (Rowohlt, 23 Euro) Sabine Ebinger
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Ein Buch über Demenz und Tod, das unglaublich traurig und zugleich absolut lebensbejahend ist - dieses Kunststück ist Petra Pellini, geboren 1970 in Vorarlberg, mit ihrem Roman "Der Bademeister ohne Himmel" gelungen. Die 15-jährige Linda hat ihren Lebensmut verloren. Doch Schulfreund Kevin und der 86-jährige Nachbar Hubert sorgen dafür, dass sie sich nicht aufgibt. Für ein Taschengeld kümmert sich die Jugendliche um den dementen Hubert, der immer mehr ins Vergessen abgleitet - und kommentiert aus Teenager-Sicht lakonisch und mit Witz das Geschehen. Die Autorin hat selbst lange demenzkranke Menschen gepflegt: Das merkt man dem sensiblen Werk an. Absolut empfehlenswert! (Rowohlt, 23 Euro) Sabine Ebinger © Rowohlt; Matthias Böckel/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

Wir gestehen: Es ist einer unserer Lieblingsfilme. Was Hal Ashby 1971 als Regisseur aus "Harold und Maude" machte, ist aber auch im Roman des jung verstorbenen Australiers Colin Higgins (1941-1988) angelegt: eine umwerfende Lovestory zwischen einem suizidalen 19-Jährigen und einer reifen Frau, die auch mit 79 noch vor Lebensfreude schier birst. In gestohlenen Autos düst die alte Wiener Jüdin Maude - natürlich ohne Führerschein - von einer Beerdigung zur andern, wo sie auf den Einzelgänger Harold trifft. Das passt! Gegen alle Hindernisse finden die zwei Außenseiter zusammen, retten Straßenbäume, foppen die Polizei. Ein weises kleines Meisterwerk, frisch übersetzt in einer feinen neuen Reihe zu haben... (Diogenes, 19 Euro) Wolf Ebersberger
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Wir gestehen: Es ist einer unserer Lieblingsfilme. Was Hal Ashby 1971 als Regisseur aus "Harold und Maude" machte, ist aber auch im Roman des jung verstorbenen Australiers Colin Higgins (1941-1988) angelegt: eine umwerfende Lovestory zwischen einem suizidalen 19-Jährigen und einer reifen Frau, die auch mit 79 noch vor Lebensfreude schier birst. In gestohlenen Autos düst die alte Wiener Jüdin Maude - natürlich ohne Führerschein - von einer Beerdigung zur andern, wo sie auf den Einzelgänger Harold trifft. Das passt! Gegen alle Hindernisse finden die zwei Außenseiter zusammen, retten Straßenbäume, foppen die Polizei. Ein weises kleines Meisterwerk, frisch übersetzt in einer feinen neuen Reihe zu haben... (Diogenes, 19 Euro) Wolf Ebersberger © Diogenes; Erika Varga/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

Nach knapp 100 Jahren hat sich Elisabeth Edl einer Neuübersetzung des Romans "La maison de Claudine" angenommen. Die große Colette, die als erste Frau in Frankreich ein Staatsbegräbnis erhielt und noch heute in einer Reihe mit Proust oder Hugo genannt wird, schrieb sich mit "Claudines Elternhaus" schwung- und poesievoll in ihre Kindheit, die verlorene Zeit zurück. Ähnlich der Madeleines bei Proust erweckt ihre Sprachmagie Klänge, Spiele, Farben ihrer Kindheit zum Leben. Das erzählende Ich changiert irgendwo zwischen der Autorin und der fiktiven Claudine, Protagonistin ihrer erfolgreichen Romane, in der burgundischen Vergangenheit. Eine fulminant poetische Verschmelzung von Dichtung und Wahrheit! (Zsolnay, 24 Euro) Regina Heider 
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Nach knapp 100 Jahren hat sich Elisabeth Edl einer Neuübersetzung des Romans "La maison de Claudine" angenommen. Die große Colette, die als erste Frau in Frankreich ein Staatsbegräbnis erhielt und noch heute in einer Reihe mit Proust oder Hugo genannt wird, schrieb sich mit "Claudines Elternhaus" schwung- und poesievoll in ihre Kindheit, die verlorene Zeit zurück. Ähnlich der Madeleines bei Proust erweckt ihre Sprachmagie Klänge, Spiele, Farben ihrer Kindheit zum Leben. Das erzählende Ich changiert irgendwo zwischen der Autorin und der fiktiven Claudine, Protagonistin ihrer erfolgreichen Romane, in der burgundischen Vergangenheit. Eine fulminant poetische Verschmelzung von Dichtung und Wahrheit! (Zsolnay, 24 Euro) Regina Heider  © Zsolnay; Marion Beraudias/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

Bis zum Sommer dauert es noch eine Weile. Mit Laura Naumanns Roman "Haus aus Wind" kann man ihn sich schon ein bisschen herholen. Die junge Johanna bricht nach einer Trennung aus ihrem getakteten Leben aus. In einem Surfercamp an der Algarve verliebt sie sich gleich in zwei Frauen, lernt das Meer kennen und die Facetten der Lust. Naumann, sonst Dramatikerin, reißt einen in ihrem Debütroman mit. Sie schildert die inneren Vorgänge der Protagonistin direkt und nah, Leidenschaft, Selbstzweifel und düstere Gedanken wechseln sich ab wie genderkorrektes Deutsch und Englisch. Eine queere Liebesgeschichte, vor allem aber ein Coming-of-Age-Roman, in dem Johanna vor allem eines besser versteht: sich selbst. (S. Fischer, 25 Euro) Anette Röckl
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Bis zum Sommer dauert es noch eine Weile. Mit Laura Naumanns Roman "Haus aus Wind" kann man ihn sich schon ein bisschen herholen. Die junge Johanna bricht nach einer Trennung aus ihrem getakteten Leben aus. In einem Surfercamp an der Algarve verliebt sie sich gleich in zwei Frauen, lernt das Meer kennen und die Facetten der Lust. Naumann, sonst Dramatikerin, reißt einen in ihrem Debütroman mit. Sie schildert die inneren Vorgänge der Protagonistin direkt und nah, Leidenschaft, Selbstzweifel und düstere Gedanken wechseln sich ab wie genderkorrektes Deutsch und Englisch. Eine queere Liebesgeschichte, vor allem aber ein Coming-of-Age-Roman, in dem Johanna vor allem eines besser versteht: sich selbst. (S. Fischer, 25 Euro) Anette Röckl © S. Fischer; Manfred Antranias Zimmer/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

Wir wissen von Anfang an, dass diese Geschichte kein gutes Ende nehmen wird - und sehen gebannt dabei zu, wie sich das Unglück anschleicht. Die Niederländerin Nina Polak erzählt in ihrem Roman "Landleben" mit leichter Feder von zwei Frauen, die sich einen Traum erfüllen und doch scheitern. Die Natur ist nicht nur lieblich, die Nachbarn sind nicht nur nett und die Partnerschaft nicht so stabil wie erhofft. In der trügerischen Ruhe bleiben Esse und Rivka in einem Morast aus Alltag, Eifersucht und Misstrauen stecken. Das Leben mag die Pläne der Menschen nicht. Da hilft nur Flexibilität. Scherben zusammenkehren und weitermachen. (Mare, 24 Euro) Gabi Eisenack
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Wir wissen von Anfang an, dass diese Geschichte kein gutes Ende nehmen wird - und sehen gebannt dabei zu, wie sich das Unglück anschleicht. Die Niederländerin Nina Polak erzählt in ihrem Roman "Landleben" mit leichter Feder von zwei Frauen, die sich einen Traum erfüllen und doch scheitern. Die Natur ist nicht nur lieblich, die Nachbarn sind nicht nur nett und die Partnerschaft nicht so stabil wie erhofft. In der trügerischen Ruhe bleiben Esse und Rivka in einem Morast aus Alltag, Eifersucht und Misstrauen stecken. Das Leben mag die Pläne der Menschen nicht. Da hilft nur Flexibilität. Scherben zusammenkehren und weitermachen. (Mare, 24 Euro) Gabi Eisenack © Mare; Fabrice/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

Was für eine Entdeckung: ein Roman, der vom Holocaust handelt und doch mit der unverschämt sommerlichen Heiterkeit daherkommt, wie man sie von Francoise Sagan kennt. Geht das? Ja, es geht. Mehr noch: Die französische Autorin Anna Langfus, die ihre ganze Familie in Polen verlor, erzählte in "Gepäck aus Sand" 1962 autobiografisch und doch atemberaubend leicht von einer jungen Frau, die nach den Traumata des Kriegs wie irr durch Paris taumelt. Ein haltloses Etwas, das fremden Männern nachläuft, flirtet und wieder flüchtet, von den Gespenstern der Vergangenheit verfolgt. Wird sie bei dem viel älteren Michel, der sie nach Südfrankreich mitnimmt, Frieden finden? Große Literatur, groß übersetzt. (Andere Bibliothek, 48 Euro) Wolf Ebersberger
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Was für eine Entdeckung: ein Roman, der vom Holocaust handelt und doch mit der unverschämt sommerlichen Heiterkeit daherkommt, wie man sie von Francoise Sagan kennt. Geht das? Ja, es geht. Mehr noch: Die französische Autorin Anna Langfus, die ihre ganze Familie in Polen verlor, erzählte in "Gepäck aus Sand" 1962 autobiografisch und doch atemberaubend leicht von einer jungen Frau, die nach den Traumata des Kriegs wie irr durch Paris taumelt. Ein haltloses Etwas, das fremden Männern nachläuft, flirtet und wieder flüchtet, von den Gespenstern der Vergangenheit verfolgt. Wird sie bei dem viel älteren Michel, der sie nach Südfrankreich mitnimmt, Frieden finden? Große Literatur, groß übersetzt. (Andere Bibliothek, 48 Euro) Wolf Ebersberger © Die Andere Bibliothek; Dominique Devroye/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

Die Deutschen kennen und lieben Mallorca - aber was ist mit der Literatur der Insel? Eine Autorin, deren Buch problemlos in jedes Handgepäck passt, ist Carme Riera, 1948 in Palma geboren. Bereits mit ihrem Debüt "Und ich lass dir als Pfand das Meer" löste sie 1975, kurz vor Ende des Franco-Regimes, einen Skandal aus: Die Titelgeschichte des Bandes erzählt (wir müssen spoilern) von der lesbischen Liebe einer 15-Jährigen zu ihrer Lehrerin... Deren zurückhaltende Perspektive dann in einer weiteren dieser zutiefst romantischen Stories zum Zug kommt. Das Meer, die blaue Magie des Wassers, bleibt nicht selten der einzige Ausweg für Gefühle, die zu groß für das kleine Inselleben sind... (mare, 22 Euro) Wolf Ebersberger
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Die Deutschen kennen und lieben Mallorca - aber was ist mit der Literatur der Insel? Eine Autorin, deren Buch problemlos in jedes Handgepäck passt, ist Carme Riera, 1948 in Palma geboren. Bereits mit ihrem Debüt "Und ich lass dir als Pfand das Meer" löste sie 1975, kurz vor Ende des Franco-Regimes, einen Skandal aus: Die Titelgeschichte des Bandes erzählt (wir müssen spoilern) von der lesbischen Liebe einer 15-Jährigen zu ihrer Lehrerin... Deren zurückhaltende Perspektive dann in einer weiteren dieser zutiefst romantischen Stories zum Zug kommt. Das Meer, die blaue Magie des Wassers, bleibt nicht selten der einzige Ausweg für Gefühle, die zu groß für das kleine Inselleben sind... (mare, 22 Euro) Wolf Ebersberger © Mare; Nathan Osman/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

Gerade ist Romancier Uwe Timm 85 geworden. Kiepenheuer & Witsch nahm dies zum Anlass, seinen vergnüglichen Roman "Der Mann auf dem Hochrad" von 1984 neu herauszubringen (22 Euro). Darin geht es um den Tierpräparator Franz Schröter, der Ende des 19. Jahrhunderts mit einem Hochrad durch Coburg fährt und damit für Aufsehen in der oberfränkischen Residenzstadt sorgt. Für die Neuausgabe hat Verlegerin Kerstin Gleba ein lesenswertes Nachwort beigesteuert, in dem sie darauf zu sprechen kommt, dass "ein paar Gestalten aus dem Werk Uwe Timms" sich keineswegs mit einer "zwischen zwei Buchdeckeln abgeschlossenen Existenz abfinden" wollen, sondern immer wieder in seinen Werken auftauchen – sehr zur Freude seiner Stammleserschaft! Marco Puschner
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Gerade ist Romancier Uwe Timm 85 geworden. Kiepenheuer & Witsch nahm dies zum Anlass, seinen vergnüglichen Roman "Der Mann auf dem Hochrad" von 1984 neu herauszubringen (22 Euro). Darin geht es um den Tierpräparator Franz Schröter, der Ende des 19. Jahrhunderts mit einem Hochrad durch Coburg fährt und damit für Aufsehen in der oberfränkischen Residenzstadt sorgt. Für die Neuausgabe hat Verlegerin Kerstin Gleba ein lesenswertes Nachwort beigesteuert, in dem sie darauf zu sprechen kommt, dass "ein paar Gestalten aus dem Werk Uwe Timms" sich keineswegs mit einer "zwischen zwei Buchdeckeln abgeschlossenen Existenz abfinden" wollen, sondern immer wieder in seinen Werken auftauchen – sehr zur Freude seiner Stammleserschaft! Marco Puschner © Kiepenheuer & Witsch; Hans/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

Kunstvoll verbindet die Erfolgsautorin Liza Marklund im Krimi "Der Polarkreis" Vergangenheit und Gegenwart miteinander: Fünf Schulfreundinnen einer schwedischen Kleinstadt diskutieren in einem Club über Literatur, bis im Sommer 1980 eine von ihnen verschwindet. 40 Jahre später wird die Leiche des Mädchens bei Bauarbeiten in einem Brückenfundament gefunden. Polizeichef Stormberg ermittelt in dem Fall, der ihn persönlich trifft: Denn als Jugendlicher kannte er die Lesezirkel-Mädchen gut. Das Buch hat zwei Zeitebenen - dank ihnen kommt auch langsam die Lösung ans Licht. Der Krimi ist der erste Band einer "Polarkreis-Trilogie", der zweite Band erscheint 2026. Man darf gespannt sein! (Atrium, 24 Euro) Sabine Ebinger
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Kunstvoll verbindet die Erfolgsautorin Liza Marklund im Krimi "Der Polarkreis" Vergangenheit und Gegenwart miteinander: Fünf Schulfreundinnen einer schwedischen Kleinstadt diskutieren in einem Club über Literatur, bis im Sommer 1980 eine von ihnen verschwindet. 40 Jahre später wird die Leiche des Mädchens bei Bauarbeiten in einem Brückenfundament gefunden. Polizeichef Stormberg ermittelt in dem Fall, der ihn persönlich trifft: Denn als Jugendlicher kannte er die Lesezirkel-Mädchen gut. Das Buch hat zwei Zeitebenen - dank ihnen kommt auch langsam die Lösung ans Licht. Der Krimi ist der erste Band einer "Polarkreis-Trilogie", der zweite Band erscheint 2026. Man darf gespannt sein! (Atrium, 24 Euro) Sabine Ebinger © Atrium; Markus Distelrath/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

Diese Frau kann zaubern; alles, was sie schreibt, gerät zur sprachlich feinen Wundertüte. Verwegen und romantisch, gelehrig und leicht, voll erstaunlicher Entwicklungen. Und zeitlos, obwohl sie in entfernte Epochen führt: Christine Wunnicke hat mit „Wachs“ (Berenberg, 24 Euro) wieder einen erstaunlichen Roman geschrieben, lebensprall, voll Witz und böser Ahnungen. Im Frankreich des 18. Jahrhunderts treffen Marie, die schon im zarten Alter Leichen seziert und das Innenleben aus Wachs modelliert, und Madeleine, die ältere Pflanzenmalerin, zusammen: eine Affäre in widriger Zeit. Diderot, ein bisschen tumb, taucht auf, die Aufklärung spielt eine Rolle, vor allem aber die Stärke des ungleichen Paares, das auf Konventionen pfeift... Bernd Noack
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Diese Frau kann zaubern; alles, was sie schreibt, gerät zur sprachlich feinen Wundertüte. Verwegen und romantisch, gelehrig und leicht, voll erstaunlicher Entwicklungen. Und zeitlos, obwohl sie in entfernte Epochen führt: Christine Wunnicke hat mit „Wachs“ (Berenberg, 24 Euro) wieder einen erstaunlichen Roman geschrieben, lebensprall, voll Witz und böser Ahnungen. Im Frankreich des 18. Jahrhunderts treffen Marie, die schon im zarten Alter Leichen seziert und das Innenleben aus Wachs modelliert, und Madeleine, die ältere Pflanzenmalerin, zusammen: eine Affäre in widriger Zeit. Diderot, ein bisschen tumb, taucht auf, die Aufklärung spielt eine Rolle, vor allem aber die Stärke des ungleichen Paares, das auf Konventionen pfeift... Bernd Noack © Berenberg; Gordon Johnson/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

Nach ihrem Bestseller-Thriller "Girl on the train" hat die britische Schriftstellerin Paula Hawkins mit "Die blaue Stunde" einen neuen, spannungsreichen Roman veröffentlicht. In einer Skulptur der längst verstorbenen Künstlerin Vanessa Chapman wird ein Menschenknochen entdeckt. James Becker von der Stiftung, der das Kunstwerk mittlerweile gehört, reist zur entlegenen Insel Eris Island, wo die Künstlerin zuletzt ihre Heimat hatte. Dort lebt nur noch eine einzige Bewohnerin, die möglicherweise mehr weiß. Becker möchte das Rätsel lösen, stößt auf Beziehungsgeflechte und Abhängigkeiten und verstrickt sich selbst immer mehr. Der Roman ist voller Wendungen und steuert auf ein wirklich überraschendes Ende zu... (dtv, 22 Euro) Sabine Ebinger
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Nach ihrem Bestseller-Thriller "Girl on the train" hat die britische Schriftstellerin Paula Hawkins mit "Die blaue Stunde" einen neuen, spannungsreichen Roman veröffentlicht. In einer Skulptur der längst verstorbenen Künstlerin Vanessa Chapman wird ein Menschenknochen entdeckt. James Becker von der Stiftung, der das Kunstwerk mittlerweile gehört, reist zur entlegenen Insel Eris Island, wo die Künstlerin zuletzt ihre Heimat hatte. Dort lebt nur noch eine einzige Bewohnerin, die möglicherweise mehr weiß. Becker möchte das Rätsel lösen, stößt auf Beziehungsgeflechte und Abhängigkeiten und verstrickt sich selbst immer mehr. Der Roman ist voller Wendungen und steuert auf ein wirklich überraschendes Ende zu... (dtv, 22 Euro) Sabine Ebinger © dtv; Pexels/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

Ihr Roman „Hotel Amerika“ wurde 1933 von den Nazis auf die Liste der zu verbrennenden Bücher gesetzt, ihre andere große Erzählung, „Elisabeth, ein Hitlermädchen“, konnte erst nach dem Krieg in der DDR erscheinen. Maria Leitner floh nach Frankreich, wurde im berüchtigten Lager Gurs interniert, starb 1942 in der Psychiatrie am Hungertod. Sie war eine glänzende Reporterin, deren antifaschistische Gesinnung sie anspornte zu einzigartigen Sozialreportagen. „Elisabeth“, von Reclam neu herausgegeben (24 Euro), erzählt lakonisch und ganz bewusst in naiver Diktion von der Erziehung zum guten deutschen Mädel. Sie wacht am Ende auf, durchblickt das inhumane System, sagt sich los. Ihr weiteres Schicksal will man sich nicht vorstellen... Bernd Noack
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Ihr Roman „Hotel Amerika“ wurde 1933 von den Nazis auf die Liste der zu verbrennenden Bücher gesetzt, ihre andere große Erzählung, „Elisabeth, ein Hitlermädchen“, konnte erst nach dem Krieg in der DDR erscheinen. Maria Leitner floh nach Frankreich, wurde im berüchtigten Lager Gurs interniert, starb 1942 in der Psychiatrie am Hungertod. Sie war eine glänzende Reporterin, deren antifaschistische Gesinnung sie anspornte zu einzigartigen Sozialreportagen. „Elisabeth“, von Reclam neu herausgegeben (24 Euro), erzählt lakonisch und ganz bewusst in naiver Diktion von der Erziehung zum guten deutschen Mädel. Sie wacht am Ende auf, durchblickt das inhumane System, sagt sich los. Ihr weiteres Schicksal will man sich nicht vorstellen... Bernd Noack © Reclam; Eveline de Bruin/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid