Zirndorfer Minigolf-Anlage: Kommt bald Adventure Golf?
© Foto: Thomas Scherer
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Zirndorfer Minigolf-Anlage: Kommt bald Adventure Golf?

Minigolf im klassischen Sinne, auf wenige Meter langen Betonbahnen, ist out. Die "modernste Art", heutzutage im Kleinformat zu Golfen, sei Adventure Golf: So beschreibt das Unternehmen Tour Green mit Sitz im oberfränkischen Oberhaid auf seiner Internet-Seite den Trendsport auf naturnah gestalteten, bis zu 25 Meter langen Bahnen auf Kunstrasen, die dem klassischen Golfen etwas näher kommen.

Tour Green ist der Partner des Zirndorfer Gastronomen Murat Bülbül bei dessen Bewerbung für den Betrieb der brachliegenden Minigolf-Anlage im Stadtpark am Eichenhain.

"Ein Schandleck"

Der vorherige Pächter hatte der Stadt den Vertrag zum Ende vergangenen Jahres gekündigt. Seitdem liegt das Gelände hinter dem rustikalen Bretterzaun brach. Die Holzschuppen rotten vor sich hin, die Betonbahnen sind unter wucherndem Grün und dem Herbstlaub nur noch vage auszumachen. Von einem "Schandfleck", gar einem "Saustall", den es zügig aus der Welt zu räumen gelte, spricht SPD-Stadträtin Elke Zahl, die in der Nachbarschaft wohnt.

Bis Ende September suchte die Stadt über eine Ausschreibung Interessenten, die das Areal im Stadtpark als Minigolf-Anlage neu anlegen und bespielen würden. Zwei Bewerbungen gingen ein, neben der von Bülbül auch eine der Zirndorfer Familie Eder, die im Zentrum Café und Restaurant betreibt. Auf Adventure Golf, geplant und realisiert von darauf spezialisierten Partnern, setzen beide Bewerber.

Bülbül würde sich thematisch auf Wallenstein und den Dreißigjährigen Krieg fokussieren. Die Eders und ihr Projektierer, die GolfProjekt GmbH mit Sitz in Bamberg, hätten eher eine mit Holzskulpturen illustrierte Zeitreise von Wallenstein bis in die Gegenwart, inklusive Exkursen in die Region, im Sinn. Präsentiert haben die Bewerber ihre Konzepte in der jüngsten Stadtratssitzung.

Ausschreibung setzte Grenzen

Die Bitte von Bürgermeister Thomas Zwingel, ihre Ausführungen auf je 15 Minuten zu begrenzen, ignorierten beide. Nicht ganz gefolgt sind sie auch den Eckdaten der Ausschreibung: Gefordert war ein Konzept für den Weiterbetrieb der Anlage auf einer Fläche von gut 2000 Quadratmetern, inklusive Biergarten, Imbiss, Ausschank sowie öffentlichen Toiletten, die auch für Passanten außerhalb des Geländes zugänglich sind.

Die Eders legten mit ihrem Projektpartner eine Planung vor, für die sie 3000 Quadratmeter Fläche wollen, so dass das Gelände großzügig, barrierefrei und mit viel Aufenthaltsqualität im Umfeld der Bahnen gestaltet werden kann. Zur Verköstigung empfahlen sie einen Kiosk mit "modernem Angebot", inklusive vegetarischer und veganer Snacks. Trotzdem: 1000 Quadratmeter zu viel. Doch jede kleinere Anlage, so Eders Planer Mark Loerke, sei in wenigen Jahren nicht mehr konkurrenzfähig.


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Und Bülbül hätte trotz zweier bereits bestehender Lokale in der Nachbarschaft neben den Bahnen die Ansiedlung einer ganzjährig betriebenen Gastwirtschaft mit fränkisch-mediterraner Speisekarte, die auch für Familienfeste oder Firmenfeiern genutzt werden kann, im Sinn. Nur: Ein Gaststättenbetrieb war auch nicht ausgelobt. Genau besehen also Themaverfehlung in beiden Fällen.

Das Projekt würde sich verzögern

Dem unbenommen hätte Bürgermeister Zwingel das Projekt als entscheidungsreif betrachtet, wobei er die Gaststätten-Nutzung Bülbüls noch für "diskutabler" gehalten hätte als die 1000 Quadratmeter mehr an Fläche, die Familie Eder überplante. Das ginge klar an den Ausschreibungsbedingungen vorbei. In diesem Kontext stellte Zwingel die Grundsatzfrage, ob denn der Stadtpark am Eichenhain dafür der richtige Standort wäre. Die grüne Lunge der Stadt weiter zu beschneiden, würde er nicht gutheißen.


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Ganz abgesehen davon, dass man an einer neuerlichen Ausschreibung gar nicht vorbeikäme: Zwingel hat diverse Anfragen von Interessenten, die sich für mehr Fläche beworben hätten, abgelehnt. Sie wären dann benachteiligt, hätten also guten Grund, gerichtlich gegen die Stadt vorzugehen.

Dass das Projekt genehmigungsrechtlich nicht ganz einfach wäre, sollte sich die Fläche vergrößern, machte Michael Karl vom Bauamt klar. Bliebe die Nutzung im bisherigen Rahmen, könnte es mit einer Baugenehmigung, die in ein paar Monaten erledigt sein dürfte, getan sein. Bei einer Ausweitung des Areals müsse allerdings davon auszugehen sein, dass das Landratsamt ein projektbezogenes Bebauungsplan-Verfahren fordert. Das daure, Pi mal Daumen, ein Jahr, so Karl.

Schlagabtausch der Bewerber

Unterbrochen von einem Schlagabtausch der Bewerber diskutierte man im Stadtrat ausführlich, unter anderem über den Parkplatz-Bedarf, um das Thema nach gut zwei Stunden zu vertagen. Zwingel will es bei der Sitzung am 3. Dezember, die eigentlich dem Nachtragshaushalt vorbehalten sein sollte, erneut auf die Tagesordnung nehmen. Ob das Moratorium zur Erhellung beiträgt, bleibe abzuwarten, sagt er. Er hoffe allerdings, "dass alle noch einmal in sich gehen und dann weißer Rauch aufsteigt".

Seitens der Verwaltung, sicherte Zwingel auf FN-Nachfrage zu, werde man sich mit dem Landratsamt in Verbindung setzen und genehmigungsrechtliche Fragen – soweit möglich – ausloten.

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