
Betroffene gesucht
Psychische, körperliche, sexualisierte Gewalt im Jugendfußball - wie groß ist das Ausmaß?
In Kreisen, in denen Gruppengefühl entsteht, Vertrauen aufgebaut wird und junge Menschen einen großen Teil ihrer Freizeit verbringen, nutzen manche Erwachsenen ihren Einfluss auf die Schutzbefohlenen aus. Das zeigen die Fälle von sexualisierter Gewalt an Kindern innerhalb von Kirchengemeinden, aber auch im Umfeld von Sportvereinen. Wie groß das Ausmaß vor allem im Jugendfußball ist, will das Recherchezentrum „Correctiv.Lokal“ gemeinsam mit dem Fußball-Magazin „11 Freunde“ und zahlreichen deutschen lokalen Medienhäusern, darunter der Verlag Nürnberger Presse, jetzt herausfinden und hat dazu eine Umfrage gestartet.
Fußball verbindet Menschen: Hunderttausende engagieren sich ehrenamtlich und machen erst möglich, dass Kinder und Jugendliche im Verein Fußball spielen können. Doch nicht alle machen dabei nur positive Erfahrungen. Immer wieder erleben die Schützlinge Gewalt und Übergriffe durch Trainer, Vereinsvorstände oder andere Mitarbeitende. Das zeigen auch Berichte über Gerichtsverfahren und Studien zu Gewalt im Sport.
Umfrage soll Missstände im Jugendfußball aufdecken und Veränderung anstoßen
Erst im vergangenen Jahr ist vor dem Amtsgericht Nürnberg ein ehemaliger Jugendtrainer des ATSV Erlangen zu 16 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der 32-Jährige hatte einem seiner Schützlinge per Smartphone ein pornografisches Video geschickt. Der Junge war zu dem Zeitpunkt 12 Jahre alt. Auf dem Computer des Trainers befanden sich zudem Aufnahmen, die Missbrauch an Kindern abbildeten.
Es gibt eine Reihe an Fällen, die zeigen, dass es innerhalb von Sportverbänden zu solchen Skandalen kommt. Wie strukturell und verbreitet Gewalt besonders im Jugendfußball ist, soll jetzt die deutschlandweite Umfrage zeigen. Darin können Betroffene von psychischer, körperlicher und sexualisierter Gewalt im Jugendfußball von der Kreisliga bis zum Profisport vertraulich und anonym von ihren Erfahrungen berichten. Teilnehmen können aktive und ehemalige Fußballer und Fußballerinnen ab 16 Jahren. Ziel der Umfrage ist es, Missstände in diesem Feld aufzudecken und Veränderungen anzustoßen, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der beiden Medienhäuser.
Die Umfrage läuft voraussichtlich bis zum 4. Mai und kann unter https://correctiv.link/umfrage-fussball aufgerufen werden. Unser Medienhaus arbeitet gemeinsam mit „Correctiv“, „11Freunde“ und zahlreichen weiteren lokalen Medienhäusern aus ganz Deutschland an dieser Recherche mit.
Du hast Gewalt oder Missbrauch im Sport erlebt oder machst du dir Sorgen um jemand anderes? Oder du hast Angst, selbst zum Täter oder zur Täterin zu werden? An diese Beratungsstellen kannst du dich wenden:
Ansprechstelle Safe Sport: 0800 11 222 00 (Montag, Mittwoch und Freitag von 10 Uhr bis 12 Uhr und Donnerstag von 15 bis 17 Uhr).
Anlauf gegen Gewalt: 0800 90 90 444 (Montag, Mittwoch und Freitag von 9 Uhr bis 13 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 16 Uhr bis 20 Uhr).
Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530 (Montag, Mittwoch und Freitag von 9 Uhr bis 14 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 15 Uhr bis 20 Uhr).
Kein Täter werden: kein-taeter-werden.de
Diese Recherche ist Teil einer Kooperation des Verlags Nürnberger Presse mit 11FREUNDE und CORRECTIV.Lokal, einem Netzwerk für Recherchen im Lokaljournalismus. Alle Recherchen zu Gewalt im Jugendfußball: correctiv.link/gewalt-jugendfussball
Keine Kommentare
Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich vorher registrieren.
0/1000 Zeichen