
Habeck, Lindner & Co.
Auch eine Chance? Erstaunlich viele Promis verlassen die Berliner Politik
Es ist inzwischen selbst in der westlichen Welt nicht mehr der Regelfall, dass ein politischer Machtwechsel so friedlich und fast schon routinemäßig abläuft wie derjenige, der sich gerade in Deutschland anbahnt. Einen besseren Qualitätsnachweis für eine funktionierende Demokratie gibt es kaum.
Bei uns müssen nicht Tausende von Beamtinnen und Beamten um ihre Entlassung fürchten, wichtige Behörden bleiben weiterhin bestehen und werden nicht von einem Milliardär ohne Mandat einfach so mal abgewickelt. Die Mitarbeiterstäbe des Kanzlers und seines möglichen Nachfolgers befinden sich bereits im Gespräch.
Es tut sich einiges: Eine von drei bisherigen Regierungsparteien ist vermutlich künftig nur noch Juniorpartner der Union, eine andere muss in die Opposition gehen und die dritte ist gleich gar nicht mehr im Parlament vertreten. Mehr Fluktuation geht kaum.
Honorig verabschiedet
Was zusätzlich ins Auge fällt: Viele Promis treten ins Glied zurück, scheiden als Abgeordnete aus oder wechseln ihr politisches Tätigkeitsfeld. Dazu gehören Robert Habeck, Christian Lindner, Olaf Scholz, Rolf Mützenich, Marco Buschmann und Cem Özdemir. Vorher schon hatten Peter Ramsauer, Renate Künast, Petra Pau und Michael Roth auf eine erneute Kandidatur verzichtet.
Durch die Bank haben sie sich auf honorige Weise verabschiedet - teilweise noch in der Wahlnacht wie Christian Lindner, teilweise am nächsten Tag wie Robert Habeck. Sie machten nicht viele Worte darum und gaben auch nicht die beleidigte Leberwurst.
Man muss diese Frauen und Männer allesamt nicht mögen oder gar ihre politische Meinung teilen, um die Art ihres Ausscheidens als vorbildlich zu würdigen. Sie haben erkannt, dass ihre Zeit vorbei ist oder ihr politisches Angebot für die Bürger nicht überzeugend genug war, und die Konsequenz daraus gezogen.
Bei den Akteuren - ob nun links, liberal oder christsozial - handelt es sich um Ausnahmeerscheinungen. Ein Lindner etwa, der die FDP aus der Bedeutungslosigkeit der außerparlamentarischen Opposition in den Bundestag zurückgeführt hatte. Ein Özdemir, der als selbsternannter "anatolischer Schwabe" die politische Teilhabe eines Migrantenkindes bis in ein Regierungsamt hinein verkörpert. Oder ein Habeck, dem selbst die Gegner ein großes Rednertalent bescheinigen.
Eine Frage des Vertrauens
Der jetzt bevorstehende Austausch des Spitzenpersonals ist insofern erstaunlich, als es sich nicht unbedingt um einen Generationenwechsel handelt. Manche sind wie Michael Roth (54) im besten Politikeralter. Der wahrscheinliche neue Kanzler hingegen geht auf seinen 70. Geburtstag zu.
Entscheidend ist etwas anderes - nämlich die Tatsache, dass neue Gesichter die Chance bieten, einen Neuanfang zu verkörpern und endlich wieder Vertrauen zu gewinnen. Das ist nach all den Enttäuschungen durch die Ampel-Regierung dringend nötig.
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